Stefan Heym war einer der letzten Aufklärer, dessen Werk wohl auf zwei Prinzipien beruhte. In jenem missglückten Staat, der sich einem obskuren Antizionismus verschrieben hatte, hielt der Autor, auch literarisch, an seinem Judentum fest und blieb dennoch dem System in kritischer Solidarität verbunden, obwohl man ihm das wenig gedankt und ihn des Öfteren - wie ein ironischer Aphorismus besagt - "mit der Kehrseite der Medaille" ausgezeichnet hat.

Des Weiteren glaubte er, durchaus in der Tradition des 19. Jahrhunderts stehend, an die Macht des gedruckten Wortes und dass dieses imstande sei, gesellschaftliche Veränderungen bewirken zu können. Für seine Umwelt mag er damit vielleicht Recht gehabt haben, denn die DDR war von Anfang an ein labiles Gebilde, dem Bücher, falls nicht von Opportunisten geschrieben, verdächtig erschienen. So ist manches Buch von Stefan Heym, der Karl-Kraus-Sentenz zufolge, dass Bücher, die der Zensor versteht, zu Recht verboten werden, in der DDR auch nicht veröffentlicht worden. Obwohl wir oftmals und auf manchen Wegstrecken seine Ansichten keineswegs zu teilen vermochten, bedeutet Heyms Tod für uns den Verlust einer Persönlichkeit, wie wir sie vermutlich kaum je wieder erleben werden. Über diesen Verlust wollen wir unsere Trauer ausdrücken.