Wie ist es, wenn die Abendsonne das Sandmeer der Sahara rot leuchten lässt? Wenn der Wind, der über die Zelte des Biwaks fegte, sich endlich legt?

Woran denkt sie nachts, wenn die Luft sich abkühlt, unter den Sternen der Wüste? Und warum werden ihr diese Fragen nie gestellt?

Jutta Kleinschmidt, Rallye-Fahrerin von Weltrang, bekommt seit einem Jahr nur eine einzige Frage gestellt. Wie konnte sie, eine Frau, die berüchtigte Paris-Dakar gewinnen? Die härteste, längste Wüstenrallye der Welt. Favoriten wie Jean-Louis Schlesser aus Frankreich und Hiroshi Masuoka aus Japan standen neben ihr auf dem Podest. Gemeinsam mit ihren Kopiloten waren sie die Zweiten und Dritten. Aber ganz oben auf dem Treppchen standen Jutta Kleinschmidt und ihr Kopilot Andreas Schulz.

Ein knappes Jahr und zehn Dutzend Interviews später, nach den festlichen Ehrungen als Motorsportlerin und als Sportlerin des Jahres, nach dem Händeschütteln und den Glückwünschen und den Schlagzeilen und dem Champagner, wartet sie beim Zwischenstopp in Frankfurt auf ihr letztes Flugzeug nach Nizza.

Fearless fraulein in der Wüste

Eine schlanke Frau, Ende 30, beim Italiener. Eine blonde Frau, die lange zwischen Nudeln und Lasagne schwankt, die nach dem Essen Cappuccino bestellen wird und auf den Nachtisch verzichtet wie jede andere auch. Eine außergewöhnliche Frau, mit ungewöhnlichen Augen. Hellwach, lebendig, lichtblau. Und ihre Ohren hören eine weitere Version ihrer Lieblingsfrage.

Immer wieder dasselbe ... FrauunterMännern. Also ehrlich - dass ich gerade diese Rallye wirklich gewinnen kann, haben am Anfang nicht mal wir selber geglaubt. Da fährst du ein drei Jahre altes Auto, einen Gebrauchtwagen sozusagen. Und du weißt, wenn alles gut läuft und wenn nur wenige Fehler passieren, schaffst du es unter die ersten fünf. An Sieg war nicht zu denken.