Ach wirklich, ist die deutsche Schule so schlecht? Das predige ich als sechsfache Mutter seit zehn Jahren! Ob Unterricht für meine Gymnasiasten stattfindet, ist Glücksache. Ob ein behindertes Kind integrativ beschult werden kann, ist Standortfrage ...

Fundamentalisten verhinderten die Ganztagsschule. Fundamentalisten verhindern, dass jedes Kind ein von der Gesellschaft finanziertes Privileg sein könnte. Kinder großziehen in Deutschland: auf keinen Fall zur Nachahmung empfohlen!

Brigitte Pfeiffer, Hamburg

Bildung war und ist in Deutschland Sache der Länder, und so haben sich 16 verschiedene Schullandschaften entwickelt, die nach Wahlen auch wieder geändert werden - ein konkurrierender Flickenteppich provinzieller Farbgebung, bildungspolitische Kleinstaaterei. Statt für alle Schüler qualifizierte Schulen zu entwickeln und zu fördern, werden die verschiedensten Schularten erfunden und von einander getrennt: Förderschulen, Hauptschulen, Werkrealschulen, Regionalschulen, Mittelschulen, Aufbaugymnasien, Gymnasien, kooperative, integrierte Gesamtschulen und so weiter - überall anders und nirgendwo mit klarem Gesicht: ein deutscher Sonderweg.

Mit erschreckender Deutlichkeit wird gezeigt, dass in Deutschland die soziale Herkunft und nicht die Leistungsfähigkeit über den Schulerfolg entscheidet.

Die Sortierung in drei Schularten führt - siehe Pisa - weder an die Leistungsspitze im Gymnasium noch zu angemessener Förderung in der Haupt- und Realschule.

Die deutschen Gesamtschulen haben gegenüber den integrierten Gesamtschulsystemen anderer Länder den gewaltigen Nachteil, dass sie wie eine Schulart zu anderen Schularten in Konkurrenz stehen. Viele Eltern wünschen sich für ihre Kinder das Abitur, deshalb schicken sie diese nach der vierte Klasse auf das Gymnasium. Sie fehlen dann den Gesamtschulen. Deshalb besuchen nur bestimmte Gruppen von Schülern Gesamtschulen. Würden in Zukunft alle Schüler bis zum mittleren Abschluss in eine "Schule der Vielfalt" gehen, dann wäre das die Schule der Zukunft, die so ausgestaltet und ausgestattet würde, dass auch die Förderung des einzelnen Kindes - ohne es von anderen zu trennen - möglich wäre.