Wie modern Berlin ist, beweist nicht jener Ableger des Bayreuther Festspielhauses, den manche Kanzleramt nennen. Von der wahren Modernität der Hauptstadt künden die (auch nicht viel kleineren) Ausstellungsräume der Automobilbauer. Fast gleichzeitig haben sie sich alle darauf besonnen, welche der Deutschen liebste Hobbys sind. Und die hochglanzpolierten Karossen in den Schaufenstern ihrer Hauptstadtfilialen mit moderner Gastronomie kombiniert.

Bei VW Unter den Linden (Ecke Friedrichstraße) ist es der Bugatti, der für ein erweitertes Frühstück wirbt. Schräg gegenüber bei Peugeot die Sochaux Spindel von 1935, ein aerodynamisches Gefährt mit Tatra-ähnlichem Design, und bei Daimler am Kurfürstendamm lockt neben dem (Flügeltüren-)300 SL der fünfziger Jahre der neue 500 SL die Provinzler ins Innere.

An meine Essgewohnheiten haben die Konzerne sicher nicht gedacht, als sie ihre Cafeterias eingerichtet haben. Trotzdem bin ich hingegangen.

Zuerst war ich bei Peugeot, weil sie ein Bistro versprechen und so etwas wie Cuisine française, wozu nach meiner Meinung auch ein anständiger Wein gehört.

Ja, Pustekuchen! Der beste, den sie auf der kleinen Karte haben, ist eine halb trockene Wehlener Sonnenuhr von J. J. Prüm (0,5 Liter 11 e), wohingegen der Sancerre nur in der Farbe Rosa existiert und der halbe Liter Tourraine (7,50 e) in der Scheibenwaschanlage eines 604 besser am Platz wäre als in meinem Glas. Dafür sitzt man ganz komfortabel und nischenhaft intim oberhalb der ausgestellten Karossen und freut sich über die bescheidenen Preise.

Später stellt sich heraus, dass auch das Essen nur bescheiden ist: eine Cremesuppe stark gesalzen (3,25 e), die Perlhuhnkeulen (11,80 e) trocken und fad, der überbackene Fischteller (22,60 e) wohl in der Pariser Peugeot-Kantine vorgekocht und verschweißt, bevor er Unter den Linden seine letzte Parklücke fand.

Bei VW kommt man sich vor wie in der Abfertigungshalle der Rhein-Main-Airbase, und wo noch Platz war zwischen den Stoßstangen der Golf, Seat, Skoda und was da außer dem Bugatti sonst noch herumsteht, haben sie Tische hingestellt, an die ich mich dann doch nicht gesetzt habe. Zu viel Verkehr, und den neugierigen Fußgängern saß der stechende Geruch der Currywurst in den Klamotten.