Ido Levy, 34, sitzt gern am Steuer eines Autobusses. Andauernd sei er so in Bewegung, in bequemer Position hinter einer Scheibe, und sehe die Welt an sich vorbeiziehen. Am liebsten fährt er die Strecke zwischen Tel Aviv und Jerusalem. Dort kann er Gas geben, anders als in den chronisch verstopften Städten. Ido lobt die Qualität der Busse, die aus Deutschland kommen: "Sie sind stabil und ausgefeilt bis ins kleinste Detail."

An diesem Morgen hat Ido Levy frei. Im Café bestellt er sich einen doppelten Espresso. Seine Haare sind zu einem kurzen Pferdeschwanz gebunden. Er trägt einen orangefarbenen Pullover und einen grauen Anorak, denn im Dezember kann es auch in Israel kalt werden. Aber die Kälte bereitet dem Busfahrer noch ein ganz anderes Problem: "Im Winter lässt es sich schwer unterscheiden, ob jemand dick angezogen ist oder einen Sprengstoffgürtel unter seiner Jacke trägt."

Die spektakulärsten Terroranschläge in Israel sind bisher immer Attentate auf Autobusse gewesen. Busse sind das am meisten genutzte öffentliche Transportmittel. Manchmal haben die Fahrer eine Katastrophe verhindern können, weil ihnen ein Fahrgast verdächtig vorgekommen war. Wichtig sei die Intuition, die man im Laufe der Zeit entwickle, sagt Ido. Aber "wenn viel los ist, ist oft gar keine Zeit, jeden Passagier einer Prüfung zu unterziehen".

Einmal hatte ein Attentäter Verdacht erregt, weil er beim Einsteigen mit einem großen Schein bezahlte und sich nicht fürs Wechselgeld interessierte.

"Aber wie lässt sich eine lebende Bombe entschärfen?" Da hilft auch die sechsmonatige Ausbildung zum Busfahrer nicht, zu der hierzulande Lektionen über den Umgang mit Sprengstoff gehören.

Auf den Schultern jener, die die Busse lenken, lastet eine Menge Verantwortung. Ido Levy, der früher Ambulanzen fuhr und "schon alles gesehen hat", empfindet sich aber keineswegs als Held. "Busfahrer zu sein ist ein Beruf wie jeder andere." Die Frage nach dem erhöhten Risiko schiebt er weg.

"Man kann auch in einem Auto hinter einem explodierenden Bus sitzen oder in einem Einkaufszentrum getroffen werden." Schicksal halt. Es sei wie beim Lottospiel, nur mit umgedrehtem Vorzeichen.