Aufgewachsen in bitterer Armut, schwarz, arbeitslos, behindert: Weiter unten kann man auf der sozialen Leiter Südafrikas nicht stehen. Doch Joseph Makapan hält sich an das bewährte Motto der Fatalisten: Du hast keine Chance, also nutze sie.

Vor zehn Jahren trommelte er fünfzehn Behinderte zusammen, die wie er in der Township Alexandra leben, einem Elendsviertel im Norden Johannesburgs. Sie begannen in einer zugigen, feuchten Blechhütte Körbe zu flechten, die sie für ein paar Cents verkauften. Das Geschäft ließ sich ganz gut an. Man gründete eine Genossenschaft für Behinderte, das Alexandra Disability Movement, und zog in eine größere Werkstatt am Rande des Slums. Dort lernten wir Joseph Makapan im Jahre 1993 kennen, einen dicken, freundlichen Mann in einem kobaltblauen Rollstuhl, der vor Zuversicht und Tatkraft sprüht.

Unterdessen ist aus seiner Selbsthilfe-Initiative ein veritables Unternehmen gewachsen, in dem 46 Menschen Arbeit finden. Sie produzieren Geschenkartikel, Picknickkörbe und Flechtwerk aller Art. Vor drei Jahren kam eine kleine Nähstube hinzu, und im Hinterhof werden Plastikelemente für Klimaanlagen präpariert. Makapan ist stolz, dass alle Betriebszweige Gewinn erwirtschaften, nicht viel, aber es reicht, um menschenwürdige Löhne zu zahlen. "Wir wollen keine Spenden. Wir machen Business."

Die Kooperative musste allerdings Lehrgeld zahlen. Zum Beispiel, als die Buchhalter nach der Großbestellung einer Supermarktkette feststellten, dass der vereinbarte Stückpreis gerade mal die Produktionskosten deckte. Die Behinderten malochten ein Monat lang nach dem Prinzip der Selbstausbeutung.

Aber das störte die Geschäftspartner nicht.

"Na ja", sagt der 65-jährige Makapan, "obwohl die Apartheid vorbei ist, behandeln uns viele Weiße noch wie Sklaven. Wir haben zwar jetzt eine richtige Demokratie, aber davon wird niemand satt. Andererseits erwarten die Leute einfach zu viel vom Staat. Wir haben beschlossen, uns selber zu helfen."

Noch immer sind sämtliche Mitarbeiter des Betriebs, vom Arbeiter an der Bandsäge bis hinauf zum Manager, behindert. Gemeinsam ist ihnen gelungen, was unmöglich schien: Sie haben sich selbst aus dem Sumpf der Armut gezogen. Und jedes Mal, wenn den Korrespondenten Zweifel am neuen Südafrika beschleichen, besucht er den wohlbeleibten, umtriebigen, heiteren Mann im kobaltblauen Rollstuhl. Er hat in der Kelleretage einer zerrissenen Gesellschaft ein kleines Kapitel der African Renaissance geschrieben, jener kühnen Vision von der Erneuerung des Krisenkontinents aus eigener Kraft.