Meist kommt die Frage beiläufig und arglos. "Haben Sie Kinder?" Oder: "Möchten Sie Kinder haben?" Nein, antwortet Anita Kelber dann so unangestrengt wie möglich, sie habe keine Kinder und möchte auch keine haben.

"Die Leute denken dann: Die will lieber Karriere machen", sagt die 39-Jährige. "So habe ich meine Ruhe." Ruhe vor den Fragen, was denn der Grund sei. Ruhe vor mitleidigen Blicken, Ruhe vor dem aufmunternden Trost. Es klappt schon noch. Macht euch bloß keinen Stress. Und: Es gibt doch noch andere Dinge im Leben. Könnt ihr halt immer länger ausschlafen. "Dann lieber lügen", sagt Anita Kelber (alle Patientennamen geändert).

So kennen nicht einmal ihre Eltern den wahren Grund, warum Anita Kelber gemeinsam mit ihrem Mann seit zwei Jahren regelmäßig ins 80 Kilometer entfernte Hamburg fährt. Nur ihren jeweils besten Freunden haben sie von den vergeblichen vier Versuchen erzählt, hier in einer Fertilitätspraxis zu einem eigenen Kind zu kommen. Und niemand weiß, dass noch ein Dutzend befruchtete Eizellen in Hamburg lagern. Eingefroren in Stickstoff bei minus 196 Grad.

"Wer selber nicht erlebt hat, wie es ist, kein Kind zu bekommen, wenn man sich welche wünscht, kann uns ohnehin nicht verstehen." Weder jene Menschen, die niemals Kinder wollten, noch Eltern, denen es als das Normalste von der Welt erscheint, Kinder zu haben - und das Simpelste, welche zu bekommen.

40 000 Paare haben im vergangenen Jahr in Deutschland versucht, mithilfe künstlicher Befruchtung Eltern zu werden. Fünf von ihnen werden zurzeit freitags in der Serie Wunschkinder vorgestellt. Zwei Jahre lang haben ZDF-Reporter die Männer und Frauen begleitet. Die Paare reden über den Schock, als sie erfuhren, unfruchtbar zu sein - und die Hoffnungen, mittels Hormonstimulationen, Eizellgewinnung und Embryonentransfer sich doch noch ihren Lebenstraum zu erfüllen.

Die meisten aber halten ihre jahrelangen Probleme mit dem Kinderkriegen ebenso strikt geheim wie die Hilfesuche in einer der vielen Fertilitätskliniken. Bis heute gehört ungewollte Kinderlosigkeit zu den Tabus dieser Gesellschaft. Und die In-vitro-Fertilisation (IVF), das einfachste aller reproduktionstechnischen Verfahren, ist noch keinesfalls eine medizinische Therapie wie jede andere - auch wenn alle Sensationsberichte über künstlich gezeugte Mehrlingsgeburten, alle Debatten über Embryoselektion und Eizellgewinnung, importierte Stammzellen und zukünftige Klonkinder dies seltsam erscheinen lassen. Denn selbst 22 Jahre nach der Geburt des ersten "Retortenbabys" ist IVF medizinisch längst noch kein Kinderspiel. Trotz vieler Fortschritte verhilft die Fruchtbarkeitsmedizin in Deutschland nur jedem zweiten Patientenpaar zum ersehnten Nachwuchs.

Anita Kelber dachte, sie werde schon zu den Gewinnern gehören, als ihr Frauenarzt sie zur künstlichen Befruchtung nach Hamburg schickte. Vier Jahre hatte sie versucht, auf natürliche Weise schwanger zu werden. Temperatur gemessen und Sex nach Plan