Pfundschwere Kataloge, Bildbände und theoretisch-wissenschaftliche Erörterungen gehören zur Lektüre derer, die sich mit den schönen Künsten und ihrem Umfeld beschäftigen. Aber wie ein Blick in die jüngere Buchproduktion zeigt, geht es auch ein bisschen leichter. Denn der schillernde Kunstmarkt scheint auch für Autoren ein reizvolles Terrain zu sein. Und die niederländischen Künstler wie Brueghel und Vermeer sind dabei eine bevorzugte Inspirationsquelle, zu sehen an Tracey Chevaliers Das Mädchen mit dem Perlohrring (List Verlag) und Michael Frayns Das verschollene Bild (dtv).

Dabei hätte gerade die aktuelle Szene eine Menge Stoff zu bieten. Der 1940 in New York geborene Gary Schwartz lebt seit Mitte der sechziger Jahre in den Niederlanden und gilt als Experte für niederländische Malerei des 17.

Jahrhunderts. Sein Wissen hat er nach Fachbüchern über Rembrandt und Pieter Saenredam, nun erstmals in einer Art Räuberpistole verwertet. Liebe eines Kunsthändlers (DuMont Verlag, ab Januar 2002 als Taschenbuch) enthält viele treffsichere Beschreibungen aus dem Milieu der Auktionen, des Handels und der Museen. Das liest sich flott, so etwa im Stil von Raymond Chandler. Aber am Ende wird es dem Leser dann doch zu viel, wenn sich die Mafia einmischt - auch wenn das vielleicht gar nicht so realitätsfern ist.

Mord und Totschlag gehören zum Genre. Das sehen acht Bremer Kunststudenten nicht anders. In einem Seminar ihres Literaturprofessors Heiner Boehncke verfassten sie unter dem Anagram ihrer Namen Jan Schalm eine luftig-leichte Petitesse, die im Titel behauptet Cézanne geht immer (Eichborn Verlag) und die nach 90 Seiten folgerichtig mit Totschlag endet. Unbekümmert leisten sich die Studenten kleine Seitenhiebe gegen die "aufgeblasene Kunstkennerszene", die ihr Künstler-Held, ein begnadeter Fälscher, schlichtweg "zum Kotzen findet". Der Australier Shane Maloney stammt nicht aus der Kunstszene, hat jedoch als Leiter des Melbourne-Comedy-Festivals viele Jahre in einem nicht minder quirligen Milieu gearbeitet. Das kommt seinem Roman Künstlerpech deutlich zugute. Ihm ist es gelungen, so über einen Detektiv wider Willen zu schreiben, dass sich das als spannende und witzige Gesellschaftskomödie liest. Maloney hat sie den bedeutendsten australischen Krimi-Preis eingebracht (Diogenes).

Der Auktionator, hoch gelobter Debütroman des 1968 in England geborenen Charles Fernyhough, scheint vom Titel her ganz nah am Thema zu sein. Aber das hoch artifizielle Konstrukt des Briten ist kein Enthüllungsroman. Kein Auktionator der Welt käme am Pult je zu einem Zuschlag, wenn er zu jedem Objekt solche hinreißenden Geschichten erzählen würde (Luchterhand). Wer sich über die langen Festtage in die echte Welt der Auktionen einlesen will, greift zu Die Sotheby's Story von Robert Lacey, die nun auch als Taschenbuch vorliegt (Heyne Verlag). Es tut dem "kritischen Insiderbericht" keinen Abbruch, dass der Autor das Buch im Auftrag des Hauses verfasst hat, und es ist streckenweise an manchen Stellen spannender als ein so genannter Krimi.

Die jüngsten Entwicklungen nach den Preisabsprachen mit Christie's und die Verurteilung des Sotheby's-Hauptaktionärs Alfred Taubman kann der Leser aus den Tagesnachrichten im Kopf dazu ergänzen.

Wenn man den opulent aufgemachten und mit dem Egon-Schiele-Porträt Mädchen gezierten Band Der Markt der Kunst (Böhlau Verlag, Wien) zur Hand nimmt, darf man aus der Feder des Chefs der Wiener Kunstauktionen Otto Hans Ressler erfahren, dass er sich "mit dem Problem herumschlagen musste, dass der österreichische Staat den Verkauf des lebensgroßen Mädchens ins Ausland nicht erlauben wollte". Kunstdiebstahl vor Gericht von Carl/Güttler/Siehr (de Gruyter) betrachtet die Behandlung nationalen Kulturgutes von der anderen Seite. Die Autoren fächern anhand der Dokumente die aufsehenerregende Entscheidung des englischen High Court in dem Rechtsstreit um das Gemälde Die Heilige Familie mit dem Heiligen Johannes und Elisabeth und Engeln (1603) von Joachim Wtewael auf, den die Stadt Gotha gegen Sotheby's gewann. Die Kupfertafel wurde während des Zweiten Weltkriegs aus dem Schlossmuseum Gotha gestohlen, 1946 nach Moskau gebracht, 1987 von zwei russischen Ikonenhändlern einem deutschen "Touristen", angeboten. Er willigte in den Kauf ein und sollte das Gemälde über eine afrikanische Diplomatengattin nach Berlin geschmuggelt bekommen. Dort kam es nie an. 1991 wurde es bei Sotheby's dann zur Auktion angeboten - die Bundesrepublik klagte im Namen der Stadt Gotha und gewann vor dem britischen Gericht. Ein "echter Krimi", wenn auch in der Form eines Sachbuchs. Aber in der Welt der Kunst scheint die Realität immer noch die besseren "Reißer" zu schreiben.