Das Unheil hatte sich angekündigt: Ende November flatterte Bundeskanzler Gerhard Schröder ein Brief der Vorstandsvorsitzenden von BASF und Bayer, RWE und E.on sowie fünf weiteren Unternehmensführern auf den Tisch. Kurz darauf suchte der Verband der Chemischen Industrie (VCI) mit einer Anzeigenkampagne das breitere Publikum zu mobilisieren. Ende vergangener Woche kam es dann zum Eklat. Einige der ersten Adressen der deutschen Industrie wollen von marktwirtschaftlicher Umweltpolitik nichts wissen und boykottieren den Plan der EU, von 2005 an einen Markt zum Handel mit Emissionsrechten zu installieren. Die zur Vorbereitung auf das System vom Umweltministerium organisierte Arbeitsgemeinschaft Emissionshandel kam nach achtstündiger Debatte an einen toten Punkt - insbesondere wegen der "Fundamentalopposition" des VCI und der BASF, wie Teilnehmer der Sitzung berichten.

Die Gegner befürchten zweierlei: Erstens werde ihr Wachstum beeinträchtigt, wenn der Ausstoß von klimaschädlichem Kohlendioxid (CO2) an den Erwerb von Lizenzen geknüpft werde

zweitens verlangen sie, dass ihre bereits erbrachten Klimaschutzvorleistungen bei dem Emissionshandelssystem berücksichtigt werden. Nach Auskunft von Franzjosef Schafhausen, der im Auftrag von Umweltminister Jürgen Trittin die monatlichen Zusammenkünfte leitet, setzt sich die Bundesregierung allerdings für beide Anliegen in Brüssel ein - was den Verdacht nähre, den Opponenten gehe es weniger um das Instrument als um das Ziel. Tatsächlich soll es nach Ansicht von BASF & Co mit der vor einem Jahr zwischen Rot-Grün und der Industrie vereinbarten Selbstverpflichtung zum Klimaschutz sein Bewenden haben. Gesprächsbereit sind hingegen unter anderem Shell und BP sowie die HEW und die Energie Baden-Württemberg (EnBW).

Schafhausen will versuchen, die Arbeitsgruppe mit den konstruktiv mitarbeitenden Unternehmen weiter zu führen.