Nun hat sich der Intendant doch noch einmal geopfert: Er hatte die kleinliche und turbulenzenreiche Debatte um seinen Nachfolger satt und verkündete zu guter Letzt, sich für eine weitere Amtsperiode zur Verfügung zu stellen.

Schließlich sei niemand aufgetaucht, der den Erfolgskurs des Unternehmens (...) weiterzuführen in der Lage ist. Natürlich war es nicht der Nochintendant des ZDF, Dieter Stolte, der so sprach. (Als Herausgeber von Springers neuer Berliner MorgenWeltPost kann er das ZDF getrost hinter sich lassen.) Es war der ORF-Generalintendant Gerhard Weis. Denn diesen Freitag wird auch beim österreichischen Rundfunk gewählt. Neben dem Showmoderator Max Schautzer - an dessen Erfolg wohl nicht einmal er selbst glaubt - und dem opferbereiten Gerhard Weis kandidieren unter anderen der ehemalige ProSieben-Gründungsvorstand Michael Wölfle und der Chef der Austria Presse Agentur, Wolfgang Vyslozil. Letzterer verfügt über so gute Kontakte zu allen Politlagern, dass er eigentlich fast schon der neuen Zielsetzung einer Entpolitisierung des ORF entspricht. Darüber, wer es wird, ist viel spekuliert worden. Stefan Schennach (Grüne), ein ehemaliger ORF-Kurator, brachte es im Wiener Kurier auf den Punkt: Eine klare Aussage darüber, wer ORF-Chef wird, kann man am Tag nach der Wahl machen. Es klingt also alles ein bisschen wie beim ZDF. Doch im Unterschied zum unschlüssigen Mainzer Fernsehrat sollte der ORF-Stiftungsrat rasch zu Potte kommen. Der neue Generaldirektor tritt seinen Dienst schon in zwei Wochen an.