Erst ein französischer Vorsitzender, dann ein französischer Präsident - und weit und breit kein Deutscher zu sehen. Mit der Erklärung von Laeken versuchte die Europäische Union auf ihrem Brüsseler Gipfeltreffen den großen Sprung nach vorn: Vorbereitet hatten sie Jacques Delors und ein halbes Dutzend erfahrener Europapolitiker. Den Konvent, den die Erklärung schafft und der künftig eine Verfassung formulieren soll, wird Frankreichs Altpräsident Valéry Giscard d'Estaing leiten, flankiert und kontrolliert von einem Italiener und einem Belgier. Fehlte es der deutschen Politik womöglich an eigenen Köpfen und Kandidaten fürs große Gemeinschaftswerk? Ja, leider.

Die alte Schwäche halt.

Freilich zeitigte sie diesmal nur die angenehmsten Folgen. Denn der Auftrag an den Konvent trägt eine deutsche Handschrift: Mehr Demokratie wagen, ja überhaupt eine Art Verfassung ins Auge zu fassen - stand solch' umstürzlerisches Ideenwerk nicht in Joschka Fischers Humboldt-Rede vom Mai 2000? Mehr Respekt für die Regionen einfordern, "la Kompetenzordnung", wie das im Brüsseler Jargon inzwischen heißt: Ist dies nicht eine Herzensangelegenheit für Edmund Stoiber? Zu Straßburg ein stärkeres Parlament und in Brüssel eine Kommission als wahre Exekutive - verlangte nicht neulich Gerhard Schröder danach? All das taucht jetzt wieder im Entwurf zur Zukunft der Union auf, und noch mehr: Dieser Konvent darf allein entscheiden, wann seine Arbeit beendet, sein Werk vollendet ist. In Laeken gaben die Deutschen den diskreten Sieger: Psst, gewonnen! van