"Vier der fünf auserwählten Noten kenne ich im Voraus", sagt Kaiser. Es sind jene, die nahe an der aktuellen Mode sind. "Leichte, fruchtig-wässrige Düfte mit einem blumigen Hintergrund sind gefragt." Wie jener Hauch, der Apel eines Abends auf dem Weg ins Camp zufliegt. Versunken steht der Parfümeur am Rand des Pfades und ergründet den Wohlgeruch, dann merkt er sich den Ort. Am nächsten Tag finden er und Kaiser am Strand die Quelle: einen kleinen Baum, dicht besetzt mit Ständen von weißen, fünfblättrig geschraubten Blüten. "Das muss ein Baum der Gattung Tabernaemontana sein", sagt Kaiser. "Ein wunderbar melonigwässriger Duft, um den herum man leicht ein Parfüm bauen kann."

Doch es sind nicht die einfachen Düfte, die Kaiser wirklich reizen. Es ist die Herausforderung, eine ungewöhnliche Note in die Parfüms zu bekommen. "Man muss innovativ sein, darf aber die Menschen nicht schocken." Wie es ihm mit der Rinde des Wacapu-Baums aus Französisch-Guayana gelang, deren "frischer, aber neuartiger Duft" das Herz des Ralph-Lauren-Parfüms Romance - men bildet.

Seither sind Rindendüfte en vogue. 2000 folgte Gucci mit rush, das die Parfümeure um die "ambrige und moschusartige Holznote" der Rinde des Okoumé-Baumes aus Gabun komponierten. Auch in Masoala spürt Kaiser eine Note auf, die ihn fasziniert. Es ist der Duft eines Baumharzes, der die Nase mit der "Ahnung tief schwarzer Schokolade" erfüllt. "Es wird eine Herausforderung sein, das in ein Parfüm einzubauen."

Eine Spezialität Kaisers ist die Komposition ganzer "Duftszenarien".

Angefangen hatte er damit in den achtziger Jahren, als er für einen schwedischen Auftraggeber die Ambiance einer Sauna nachahmte. "Wichtig sind die Birkennoten - frisch-grün -, die beim Schlagen mit den Zweigen entstehen", beschreibt er die Kreation, die in Calvin Kleins Escape for men enthalten ist. Später kopierte er den Duft eines Tabakladens und jenen eines brasilianischen Flüsschens. Am anspruchsvollsten sei aber die Rekonstruktion von Weindüften. Ein Château d'Yquem 1988 gehört zu den Tropfen, deren Bouquets der Weinliebhaber täuschend echt nachgemacht hat. Givaudan benutzte die künstlichen Bouquets, um einen wichtigen Kunden zu beeindrucken: Der durfte im Rahmen einer Laborverkostung die nachgemachten Weinbouquets mit dem realen Edeltropfen vergleichen. "Zum Glück kam ich dabei gut weg", sagt Kaiser. 100 000 Franken hatte sich die Firma die Fingerübung kosten lassen.

Solch olfaktorische Großtaten dienen aber nicht nur der Kundenakquisition und der Vervollkommnung der technischen Fähigkeiten. Sie sind eine Quelle der Inspiration - ohne die geht in der Parfümerie nichts. "Nicht die Nase schafft neue Kreationen", sagt Parfümeur Apel, "sondern das Gehirn." Am Beginn eines Parfüms steht eine Idee. Drumherum gruppiert Apel einzelne Noten zu einer Duftsymphonie. Den Keim eines Parfüms, das er für Hugo Boss komponierte (Hugo for men), bildete ein Urlaub mit seiner Frau im Acadia-Nationalpark im US-Bundesstaat Maine. "Die Wälder, die Seen, die Bäche, das alles hat sich im Kopf zu einem neuen Parfüm zusammengefunden."

Die Expedition in den Wald von Masoala hat Apel Ideen im Dutzend beschert.