Wenn die Welt und das Bild, das man von ihr und sich selber hat, nicht mehr im Weltbild übereinstimmen, dann nennt man das eine "kognitive Dissonanz". Eine solche Dissonanz war festzustellen, als der letzte sächsische König durch eine Ausstellung der frühen Moderne geführt wurde und, vor einem Bild stehend, nicht schlecht staunte: "Nanu, die Beeme sind blau, der Himmel is grien ..." - "Ja, Majestät", drauf der Maler, "ich sehe das eh'm so." - "Und da kann man gar nix dagegen mach'n?"

Nee, da kann man nix dagegen mach'n. Auch der heutige Keenig der Sachs'n sieht das so - aber die sehen das anders. Spricht der eine von seinen Verdiensten, sprechen die anderen von seinen Rabatten, spricht der von seinen Rabatten, meinen die anderen seine Bliehmchen. Sprechen die von seinem Geiz, spricht er von seiner Spendenfreudigkeit. Eine riesige kognitive Dissonanz!

Und so wird es so weit kommen, dass die beiden Politiker, nämlich Helmut Kohl und Kurt Biedenkopf, die einstmals die CDU zur modernen Volkspartei gemacht haben, die danach einander in gegenseitiger Ablehnung innig verbunden blieben, am Ende ihr Lebenswerk aus - sagen wir einmal: - finanziellem Eigensinn in einer merkwürdigen Parallellaktion in kleiner Münze veraus..., pardon: vereinnahmen.

Schon längst ist der Punkt überschritten, an dem der Sachsen König wie sein letzter royaler Vorgänger ziemlich souverän sagen konnte: "Macht doch Euern Dreck alleene." R. T.