Er sei, sagt Konrad Schumm auf dem Weg zu seinem Büro, "doch nur ein Rädchen". Eben einer von 20 300 Mitarbeitern im Getriebe der Brüsseler EU-Kommission. Neben der Tür von Zimmer 1/135 in der "Generaldirektion Wettbewerb" prangt eine grellgelbe stachelige Zitrone - ein einsamer Farbklecks auf dem grauen Behördenflur. Der Beamte lächelt: "Das klebt da nur, damit mich meine Kollegen leichter finden."

Drinnen hört der Spaß auf. Hier beugt sich der schwäbische Jurist von morgens neun bis abends acht Uhr täglich über seine Akten. Zumeist stöbert er in vertraulichen Papieren, ergattert etwa bei Durchsuchungen in den Chefetagen von Konzernen wie VW, Opel oder DaimlerChrysler. Darin blättert der 47-jährige Junggeselle auf der Suche nach Beweisen für unlauter hohe Autopreise. Wird Schumm fündig, "geht's streng nach Recht und Gesetz, ansonsten zählt hier nichts für mich."

Dann wird es teuer, etwa für DaimlerChrysler: Im Oktober brummte die Brüsseler Kommission der Stuttgarter Nobelmarke eine Geldbuße von 71,8 Millionen Euro auf - wegen unzulässiger Preistricks im EU-Binnenmarkt und der Behinderung billiger Reimporte. Europas Regeln gewähren nämlich jedem EU-Bürger das Recht, sein Auto dort zu kaufen, wo es ihm lieb (und weniger teuer) ist. Weil aber ein Mercedes-Coupé, ein VW Golf oder Opel Astra im Ausland (vor Steuern) oft einige tausend Euro weniger kostet, weichen Briten und Deutsche gern nach Holland oder Dänemark aus. Das verdirbt den Herstellern die Gewinne, weshalb sie mitunter ihre Händler klammheimlich anhalten, nur ortsansässige Käufer zu bedienen. Auf dem Schreibtisch von Konrad Schumm landen dann die Beschwerden verprellter Kunden.

"Der Konrad", sagt einer von Schumms Kollegen, "der arbeitet hartnäckig, der zieht seinen Fall unbeirrbar durch." Wenn nötig, trollt sich Brüssels Auto-Mann auch am Wochenende ins Büro. Eine steile Karriere wird diesem Sohn eines EU-Beamten der ersten Stunde dennoch nicht prophezeit, weil er - nach Lehrjahren im Bundeskartellamt und im Bonner Wirtschaftsministerium - erst spät nach Brüssel wechselte. Und auch, weil dieser Hauptverwaltungsrat nie bei Diners und Diplomatencocktails auftaucht, um Eindruck zu schinden. Schumm findet seinen Spaß anderswo. Auf Radtouren und beim Joggen etwa. Oder beim kurzen Blick auf die alte Mercedes-Anzeige, die der Schwabe an die Wand von Zimmer 1/135 genagelt hat. Da steht's schwarz auf weiß: "Wer Wettbewerb will, muss ihn fördern."