Weil wir die Mode eigentlich unerträglich finden, müssen wir sie dauernd ändern. Und deshalb gibt's die großen Modemessen, auf denen eine leicht verrückte Branche ihre Produkte präsentiert. In der Welt des atemlosen Wechsels sind Beständigkeit und Seriosität gefragte Werte, und so schmiedete man heuer einen neuen Slogan: Weg von der oberflächlichen Inszenierung, hin zur authentischen Expression. Zwischen prätentiöser Werbelyrik und Tausenden von Galgen mit Bügeln und Kostümen stolzieren zarte Models im catwalk, und wie stets sind sie die Einzigen, denen die abgefahrenen Klamotten zu Gesicht stehen. Otto Jägersberg hat sich seinen Weg durch die Zunft und die CPD (Collections Premiere Düsseldorf) gebahnt und einen Film gedreht, der den hohen Kult um die Schönheit aufs knallharte Geschäft zurückführt. Wo stehen denn die Nähmaschinen? In Ägypten und China. Und wer macht die Arbeit? Zum Beispiel die Dame, die fürs Fitting sorgt, das heißt das richtige Mädchen in das richtige Kleid steckt und auch noch weiß, wo die passenden Schuhe stehen.

Die Doku in Spielfilmlänge enttarnt den Modezirkus als rauen Wettbewerb, der hier wie überall die Kunst nur liebt, wenn auch die Kassen klingeln. So lustvoll-spöttisch Jägersberg der Modewelt in die Parade und unter die Röcke fuhr, war er doch fair und Augenmensch genug, ihren Glamour, ihre Eleganz und die authentische Expression stilvoll zur Geltung zu bringen. Die beste Nachricht zum Schluss: Der Etikettenkult wird nächstes Jahr als neureich abgelehnt ...

Spuren der Modemesse läuft in der ARD am 19.12. um 23.00 Uhr