Gut gedacht, schlecht gemacht: Als Bundesarbeitsminister Walter Riester die neue Zusatzrente entwarf, jubelten Banken und Versicherungen noch. Sie hofften auf einen Milliardenmarkt und hörten schon die Kassen klingeln.

Wissenschaftler bescheinigten dem eifrigen Minister, auf dem richtigen Weg zu sein. Doch wenige Wochen vor dem Start der Riester-Rente entpuppen sich die Angebote der Versicherungen und Fondsgesellschaften als bürokratische Monstren. Sie sind viel zu kompliziert und lohnen sich nicht für jeden. "Wer weniger als 30 000 Mark im Jahr verdient, sollte eine Riester-Rente abschließen", sagt Peter Köhler von der Thomae und Partner Versicherungsmakler KG. Alle anderen sollten allerdings auf die Betriebsrente setzen.

Die Marketingmaschine der Versicherer läuft trotzdem seit langem auf vollen Touren. Jeder wollte die Nummer eins im Riester-Markt werden. Jetzt, wo die staatliche Zertifizierung nur noch wenige Tage auf sich warten lässt, hat sich Frust in vielen Geldhäusern breitgemacht. Lediglich drei Anbieter haben bis heute ein nennenswertes Riester-Geschäft hereingeholt: Die Aachener und Münchener Lebensversicherung verbuchte bislang 200 000 Verträge, Marktführer Allianz Leben und die aggressiv werbende Victoria jeweils 150 000.

Immer mehr Chefs großer Versicherer räumen ein, dass sie von der Riester-Rente gar nicht mehr begeistert sind. Der Grund: Für die Versicherer steht der Aufwand um die neue Zusatzvorsorge kaum im Verhältnis zum Ertrag.

So sollen die Vertreterprovisionen bei den Riester-Produkten nach dem Gesetz auf zehn Jahre gestreckt werden. Um ihre Vertriebler jedoch bei Laune zu halten, müssen die Unternehmen das Salär vorstrecken. Außerdem darf der Kunde seinen Anbieter während der Laufzeit wechseln. Das einkalkulierte Storno kostet ebenfalls Geld. Ein anderer Kostenfaktor sind die künftig zu erwartenden ständigen Anpassungen der Verträge, etwa an den aktuellen Verdienst des Kunden. Traditionelle Lebensversicherungen laufen über 30 oder mehr Jahre nahezu unverändert. Auch für den Kunden werden viele Riester-Verträge teurer als die bisher übliche Privatvorsorge, in Einzelfällen bis zu zehn Prozent.

Umfragen von Marktforschungsinstituten zeigen, dass die Funktionsweise der Riester-Rente bei der Bevölkerung nicht einmal in ihren Grundzügen verstanden wird. Selbst gestandene Finanzberater sind zuweilen heillos überfordert, wie der Test eines Fernsehsenders mit einer versteckten Kamera kürzlich belegte.

Um das Chaos perfekt zu machen, hat das Bundesaufsichtsamt für das Versicherungswesen - die neue Zertifizierungsbehörde für Riester-Produkte - kurz vor dem Startschuss der neuen Vorsorge noch eins draufgesetzt: Gefördert werden sollen nun nicht nur lebenslange Renten, sondern auch Auszahlpläne, die bei Eintritt in den Ruhestand 20 Prozent des Angesparten auf einen Schlag auszahlen. Weitere 20 Prozent kann der Kunde in flexiblen Raten abrufen.