In den endlosen Bayreuther Zankereien um die Nachfolge Wolfgang Wagners beziehungsweise um dessen Weigerung, eine solche überhaupt ins Auge zu fassen, ist jetzt offenbar ein Kompromiss gefunden worden. Er heißt Klaus Schultz, seines Zeichens Intendant des Münchner Gärtnerplatztheaters, und soll zunächst als "freier Mitarbeiter" verpflichtet werden, damit er später, falls Wagner doch einmal abtreten sollte, interimistisch die Festspiele leiten kann, bis ein wirklicher Nachfolger gefunden ist, den man sich immer noch nur aus der Familie Wagner vorstellen kann. Groß wird die Freiheit des freien Mitarbeiters niemals sein

weder jetzt noch in der Interimsregierung, denn der Alte vom Hügel hat bis in die Jahre 2006/2007 vorausgeplant, und zwar mit der Berufung höchst avantgardistischer Regisseure wie Lars von Trier und Martin Kusej, die dann zwar avantgardistisch nicht mehr wirken werden, aber immer noch avantgardistischer, als es der Geschmack von Klaus Schultz ist, den er bisher am Gärtnerplatztheater gezeigt hat. So überholen die Greise ihre Enkel: Das ist das Schicksal einer alternden Gesellschaft.