Kleiner Bruder - Gedichtekalender. Hier sind Menschen am Werk, die sich den Sinn für Schönheit bewahrt haben, auch noch etwas verstehen von der alten Schrift- und Druckkunst (Titel-Vignette, reine Typografie, drei Druckfarben).

So sehen auch die Bücher aus, die aus der Werkstatt der Familie Wachinger kommen: schön, von einer so anmutigen wie strengen Schlichtheit. Deshalb kann man auch die klar gedruckten Gedichte dieses Kalenders, der im 18. Jahr erscheint, vierzehn Tage an der Wand ertragen, ja immer wieder lesen.

Traugott Giesen, Pastor in Keitum auf Sylt, ist neben den Wachingers als Dritter im Bund. So können wir ein Jahr lang gut auskommen mit Luther und Richard Leising, Wilhelm Busch und Philipp Zesen und Michael Krüger. (Verlag Langewiesche-Brandt, Ebenhausen bei München

28,- DM)

Der literarische Katzenkalender. Kommt ein Kalendarium dieses Namens nicht allmählich an sein Ende - nicht weil es keine Katzen, aber doch keine Dichter(innen!) mehr gibt, die in so pelziger Symbiose leben? Keine Bange!

Fürs nächste Jahrtausend scheinen wir gut versorgt, etwa mit diesem Dialog, der uns im März überrascht zwischen dem Schriftsteller-Philosophen Rousseau und seinem Besucher aus Schottland, James Boswell, vor mehr als zweihundert Jahren: "R. Lieben Sie Katzen? - B. Nein. - R. Das habe ich mir gedacht. Sie mögen Katzen nicht, weil Katzen freie Geschöpfe sind und sich nicht versklaven lassen. Einer Katze kann man nicht Befehle geben wie anderen Tieren. - B. Einem Huhn auch nicht. - R. Ein Huhn würde gehorchen, wenn man sich ihm verständlich machen könnte. Eine Katze versteht die Menschen ganz genau, gehorcht ihnen aber trotzdem nicht." (Schöffling & Co. Verlag, Frankfurt am Main

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