// Jedenfalls nicht gleich."(Daedalus Verlag, Oderstraße 25, 48145 Münster

26,80 DM)

BUCHKALENDER

Mit Goethe durch das Jahr. Auch im 54. Jahr ist der Kalender im Taschenbuch-Format für eine Überraschung gut: Die Herausgeberin blickt auf "Goethes Diener". So entsteht aus dem Blickwinkel von Dienstbotenstube, Küche, Speisekammer, Schreibsaal, Garten, Kutscherverschlag und Botenbank ein eigenartig neues Porträt des Dichters. "Das arme Volk muß immer den Sack tragen", hat der junge Hofbeamte in Weimar bald erkannt. Und er handelt danach: Er sucht den Angestellten seines kleinen, wachsenden Hofstaats die Lasten zu erleichtern. Wer anstellig und ehrlich ist, hat es gut im Haus am Frauenplan oder auf Reisen. Wer sich gehen lässt, wird ohne Mitleid vor die Tür gesetzt. So entsteht eine kleine Sozialgeschichte der Zeit in Weimar - und wir nehmen teil an den jährlichen Schlachtfesten, an Hausputz und großer Wäsche, schauen in die penibel geführten Haushaltsbücher oder liegen mit in der Schlafkammer, die Goethe unterwegs mit den Dienern teilt und mit ihnen nachts über Gott und die Welt plaudert. Jeden Morgen kommt der "Chirurgus" zum Rasieren, zweimal in der Woche der Friseur, zu schweigen von Schreibern, später Kindermädchen und Kutscher. Fünf fest angestellte Leute leben dauernd mit im Haus.

Als ob sie selber noch vom alten Geheimbderath angestellt sei als muntere Schreibmamsell und getreue Chronistin, führt uns Effi Biedrzynski durch Haus und Hof, Stadt und Land. So lernen wir die widerspenstige Köchin Charlotte Hoyer kennen ("eine der boshaftesten und incorrigibelsten Personen", klagt Goethe), aber auch die Sekretärin Caroline Ulrich, von welcher der alte Schwerenöter als der "Uli" oder "Uline", dem "Frauenzimmerchen" schwärmt und sie als Gesellschafterin seiner Frau in die Familie aufnimmt. Zwischen den Monatskalendarien (ein Goethe-Zitat für jeden Tag) entfaltet sich so ein kleines Lesebuch über Goethe und seine Zeit, wie man es, mit vielen Bildern, so konzentriert noch nie gelesen hat: ein lehrreiches Vergnügen. (Patmos Verlag, Düsseldorf

144 S., Abb., 13,80 DM)

Taschenbuch zum Nutzen und Vergnügen. Einer der großen, viel zu wenig bekannten deutschen Schriftsteller, der Naturwissenschaftler und Physikprofessor in Göttingen, Georg Christoph Lichtenberg, hat von 1778 bis 1799 jedes Jahr das Taschenbuch zum Nutzen und Vergnügen nebst Göttinger Taschen Calender herausgegeben. Ein köstliches und kostbares Werk, zugleich so etwas wie Burda-Moden heute, mit den neuesten Kleider- und Hutkreationen, Haartracht nicht zu vergessen - und wissenschaftliches Mitteilungsblatt für neugierige Leser, die an Lichtenbergs Korrespondenz teilhaben wollten ("Das Stachelschwein schießt seine Stacheln nicht auf seine Verfolger ab", ja, das waren vor mehr als zweihundert Jahren wichtige Neuigkeiten der Naturforschung). Natürlich musste ein solches Kalender-Buch beginnen mit einem Verzeichnis der Geburtstage des Kön.Großbritannisch. Chur=Braunschweig=Lüneburgischen Hauses (im Nachdruck, Gott sei Dank, auf die erste Seite reduziert!). Aber dann sind schöne Entdeckungen zu machen, über das Sonnensystem, über den englischen Zeichner Hogarth und, besonders apart, Beyträge zu einer Toiletten-Apotheke, Anleitungen zur Herstellung von Pomaden, Ölen und Schminke.