Im Mai begann die Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft mit der Entschädigung von Zwangsarbeitern, inzwischen haben 600 000 Opfer zumindest eine erste Rate erhalten. Das ist eine Summe von 2,5 Milliarden Mark. Zum Jahreswechsel läuft die Antragsfrist aus, und Otto Graf Lambsdorff, der Beauftragte des Bundeskanzlers, ist überzeugt davon, dass die zur Verfügung stehenden zehn Milliarden Mark ausreichen werden.

Nicht ganz so sicher ist man sich in Genf bei der Internationalen Organisation für Migration (IOM), die für all jene Opfer zuständig ist, die nicht unter die regional abgegrenzten oder jüdischen Opfergruppen fallen. Mit etwa 75 000 Berechtigten wurde anfangs gerechnet, inzwischen sind aber schon mehr als 260 000 Anträge auf Entschädigung aus aller Welt eingegangen.

Offensichtlich wurden manche Anträge doppelt gestellt, andere sind chancenlos. Doch die 540 Millionen Mark, die im Finanzplan der Stiftung für die IOM vorgesehen sind, werden trotzdem wohl nicht reichen. Notfalls hofft man deshalb in Genf darauf, dass andernorts Geld übrig bleibt und dass das Stiftungsvermögen genügend Zinsen trägt, mit denen Lücken gefüllt werden können. Eine IOM-Sprecherin: "Probleme können wir nicht ausschließen."