Alfred-Döblin-Stipendium, Reinhard-Priessnitz-Preis für junge Autoren, Österreichisches Staatsstipendium für Literatur - nur eine Auswahl der Preise und Auszeichnungen, mit denen sich die 1971 in Salzburg geborene Autorin Kathrin Röggla schmücken darf.

Kolik-Literaturpreis, Sacher-Masoch-Preis, Italo-Svevo-Preis - es liest sich gut in der Vita. Studium der Germanistik und Publizistik - auch das noch! Ein Wunderkind? Eine Streberin? Doch dann die Erlösung: Abgebrochen hat sie! Nicht beendet!
Gott sei Dank.Also doch eine ganz normale junge Frau.

Salzburg wurde zu eng - New York war der Traum, doch in Anbetracht der beachtlichen Zahl deutschsprachiger, dort kellnernder Schriftsteller siegte die Vernunft.Es wurde Berlin.

Doch dann kommt der 11. September - und das Thema New York erfährt eine neue Begrifflichkeit. Wieder ist es ein Stipendium - vom Deutschen Literaturfonds - das Kathrin Röggla schließlich doch in die amerikanische Metropole führt.
Ihre Texte zur Situation der Stadt werden zwangsweise zu einer Gratwanderung zwischen reportagenhafter Beschreibung des Zustandes und Prosa im Zentrum der Katastrophe. Unter dem Titel "really ground zero" (S. FISCHER VERLAG, 112 S.,ISBN: 3-596-15646-7) sind diese Texte nun als Taschenbuch erschienen.

Röggla sieht in Amerika ein Land mit einer perpetuierenden Ahistorik, der fortgesetzten Ausblendung eines geschichtlichen Blicks. Und ehe man es so richtig bemerkt, hat die notorische Kleinschreiberin das Land und seine Typen bereits in Kategorien eingeteilt. Da sind die "Anthrax-Typen" mit ihrem allgegenwärtigen biochemischen Vokabular sowie die Schicht der amerikanischen Handy-Frauen, die bereits von der Arbeit kommend Privatsphären aufbauen und diese in alle Richtungen zu verteilen wissen.

Die musizierende Friedensbewegung am Union Square ist der Typologie der Gitarrengespenster zuzuordnen und ein ganz bestimmter Partytyp kennzeichnet sich durch ein plötzliches Auftreten von familiären Migrationsfällen. Dank Kathrin Röggla wissen wir nun auch endlich, dass CBS 2 Moderatoren - entgegen allen üblichen Befürchtungen - scheinbar doch keine Replikanten sind.

Wenn uns die Worte Kathrin Rögglas schließlich vergegenwärtigen, wie schwer es doch das kleine selbsterzeugte Erschrecken beim diesjährigen Halloween gehabt haben muss - gegen die große Unheimlichkeit, die über der Stadt lag - dann tut es uns fast leid, das arme Kleine.