Den elektronischen Schlüssel einschieben? Kein Problem. Den Starterknopf links daneben wie in der Frühzeit des Automobilismus drücken? Auch einfach. Trotzdem schweigt der Motor ungerührt, ja verstockt. Erst das wütende Aufstampfen mit dem Fuß, der zufällig irgendwann das Bremspedal trifft, setzt die acht Zylinder in Bewegung, wenn zugleich auch auf den Knopf eingestochen wird. Kein Starten, ohne zu bremsen. Erleichtert sucht dann der aufgeraute Novize nach dem Schalthebel der Automatik. Wo die Hand ihn vermutet (rechts unten zwischen den Sitzen), da ist er nicht. Die Zeit drängt, der Blick flackert. Versteckt hat sich der Schlawiner - ein kurzer Stummel - rechts oben an der Lenksäule, ein paar Finger breit über dem Hebel für die Wischwaschanlage. Jetzt noch die Handbremse lösen. Wo ist sie? Weg. Nie da gewesen. Ein paar Tage später erspäht der Reisende links am Armaturenbrett ein klitzekleines Knöpfchen, nicht größer als ein Pfennig, den ein P (für "Parkbremse") ziert. Der Daumen aktiviert und löst die Bremse. Das kann der Wagen auch automatisch tun, damit der Zweitonner beim Stopp am Großglockner nicht rückwärts in den Abgrund rollt. Doch um "Automatic Hold" einzuschalten, muss der Mensch am Volant erst seinen natürlichen Feind kennen lernen, den "Controller", einen handlichen Silberknopf, der an den Schraubdeckel eines Ölstutzens erinnert. Aber das ist eine andere adrenalingetränkte Geschichte, die wir noch ein wenig aufheben wollen.

Vorweg das Positive, das sich alsgleich einschmeichelt, wenn der Hof verlassen, die Autobahn erreicht worden ist. Riskieren wir einen Superlativ: Rein fahrpolitisch gesehen, könnte das neue BMW-Flaggschiff die beste Serienlimousine sein, die es derzeit zu kaufen gibt. Beginnen wir mit der Sechsgangautomatik, einem Novum auf dem Markt. Dieser Fahrer schwört, dass sie absolut ruckfrei, also scheinbar stufenlos von eins bis sechs und wieder zurückschaltet. Der Motor? Er dreht nicht, er schnurrt wie ein glückliches Kätzchen. Das lauteste Geräusch bei Fast-Volllast kam von den Stollen der Winterreifen, garniert von ein wenig Fahrtwind. Lastwechsel? Nicht zu spüren. Beschleunigung? Von 0 auf 100 in sieben Sekunden, geradlinig und ruckelfrei.

Bodenwellen spürt der Fahrer lediglich auf Wunsch

Straßenlage? Hier schlägt die Journalistenpoesie Kapriolen. Das Ding gleitet, schwebt, fliegt - doch so, als seien die Räder auf der Fahrbahn festgenagelt. Die Probe aufs Exempel bot die Autobahn Memmingen-München bei mittelstarkem Schneebefall. Derweil die gewöhnlichen Konkurrenten vernünftigerweise auf 100 Stundenkilometer zurückrutschten, ließ sich dieser BMW behaglich mit 140 über die Bahn ziehen. Schwitzehändchen gab's nicht, womöglich wegen des beheizten Lenkrades. Die Federung? Ob lange oder kurze Bodenwellen - der Wagen schluckt sie alle ohne Wippen und Murren, so als sei der Straßenbelag gerade gestern ausgerollt und poliert worden. Wer's gern sportiv hat, darf die elektronische Dämpferkontrolle (EDC, 2249 Mark extra) einschalten. Dann wird die Lenkung härter, die Federung auch. Dito die Rückmeldung durch Verwerfungen und Risse im Straßenverlauf. Der Preis für die zügige Fortbewegung de Luxe: 15 Liter auf 100 Kilometer.

Doch nun zurück zum "Controller" oder "iDrive", wobei das "i" für "intelligent" oder "intuitiv" stehen mag. Dieser elegante Ölstutzenverschluss auf der Mittelkonsole soll angeblich 700 Funktionen durch Drehen und Schieben bewältigen können; dieser Fahrer hat sie nicht zählen können, geschweige denn wollen. Er war einfach froh, von dem Ding nicht behelligt zu werden. In der Tat könnte man den 745i von München nach Minsk fahren, ohne auch nur einmal den Silberknauf manipulieren zu müssen. Will man es aber bequem, also den ganzen Gegenwert für die Investition von 140 000 bis 180 000 Mark haben, dann führt keine Hand am Controller vorbei. Der reguliert nämlich übers Control Display, vulgo Bildschirm: das Heiz- und Kühlgebläse (Ruck nach links), das Audio- und TV-System (nach hinten), den Navigator (nach rechts), die Kommunikation, etwa das Telefon (nach vorn). Und weiter in den vier Diagonalen, die leider die Menüs und Untermenüs für das noch Wesentlichere öffnen.

Zum Beispiel: die schon erwähnte Dämpferkontrolle nebst "Automatic Hold" (links/schräg/ zurück) oder, zur Wahnsinnsdämpfung, das "Hilfemenü" (rechts/schräg/zurück). Zu dumm nur, dass man das alles schon wissen muss, um eben all das zu erfahren. Zu dumm auch, dass ausgerechnet die Hilfefunktion recht blässlich in der rechten unteren Ecke des Bildschirms aufscheint, statt laut und neonmäßig zu blinken. Wer die "Hilfe" nicht erspäht, muss alle drei Straßenecken einparken, um sich in die 289 Seiten lange Betriebsanleitung einzulesen. Windows XP zu lernen ist einfacher.

Über den iDrive hat sich bereits die gesamte Kritikerkaste herzlich mokiert. Zu Recht. Ein Auto ist zum Fahren da, nicht zum Studieren. Wer lenkt, sucht nicht Ablenkung im wahrsten Sinne des Wortes. In Wahrheit gibt es für den Käufer dieses prächtigen Mobils nur zwei Möglichkeiten: Er belegt einen Zweitagekurs (den BMW noch anbieten muss), oder er lässt seinen Chauffeur das Handbuch auswendig lernen. Oder (was mit gebotener Vehemenz verworfen werden muss): Er zieht sich in der länglichen Eingewöhnungsphase zwecks Gemütsdämpfung vor jedem Start (bitte erst das Bremspedal drücken) ein, zwei Alkoholika rein.