Konrad Eyferth hatte einen Traum: Nach seinem Illustrationsstudium wollte er Comiczeichner werden. Es fing vielversprechend an. Eine seiner Ausstellungen in Hamburg wurde mit dem Comicpreis einer Zigarettenmarke ausgezeichnet. Als er aber seine ersten Werke auf Comicmessen präsentierte, stieß er nur auf Ablehnung. Es blieb bei einer unrentablen Veröffentlichung bei einem kleinen Verlag.

Eyferth steckte sich andere Ziele. Inzwischen ist der 37-Jährige ein gefragter Illustrator, zeichnet Storyboards und Layouts für die Werbung und Illustrationen für Magazine und Kinderbücher. Die Comicbranche hat ihn enttäuscht. "Du schaffst es nie!", musste er immer wieder von den Verlagen hören, an deutschen Zeichnern hätten sie kein Interesse.

Damit ist Konrad Eyferth kein Einzelfall. Der Markt für deutsche Comiczeichner ist hart. In den fünfziger Jahren galten die bunten Hefte in Deutschland noch als Schund. Auch heute tauchen sie weder im Schulunterricht auf noch im regulären Kunst- oder Literaturstudium. Und erst allmählich gehören sie zum selbstverständlichen Bestand öffentlicher Bibliotheken. Das Interesse an deutschen Comiczeichnern ist gering. Dagegen sind japanische Mangacomics beliebt, jeder kennt die amerikanischen Disney-Produktionen, und die Fan-Gemeinde von Asterix und Obelix ist riesig. Rund 95 Prozent der Comics auf dem deutschen Markt sind ausländische Produktionen. In Frankreich erreichen erfolgreiche Hefte Auflagen von bis zu 200 000 Exemplaren, in Deutschland lediglich zwischen 4000 und 10 000. Nur wenige deutsche Zeichner sind bekannt und können von ihren Werken leben. Zu den Ausnahmen gehören Ralf König, Walter Moers und Rötger "Brösel" Feldmann.

Voraussetzungen, die von einer Comiczeichnerlaufbahn eher abschrecken. Trotzdem mangelt es nicht an unbeirrbarem Nachwuchs. Auch Eckart Breitschuh hat sich nicht entmutigen lassen. Seine Ausbildung hat der 37-Jährige autodidaktisch gestaltet, das Kunststudium nach einem Semester hingeschmissen und dafür wie besessen geübt. Nur selten bedauert er, nicht studiert zu haben - er hätte unter Anleitung das Zeichnerhandwerk einfacher lernen können. Es gibt in Deutschland zwar keine Ausbildung für Comiczeichner, aber auch ein Grafik-, Kunst- oder Illustrationsstudium fördert das zeichnerische Talent. Um das figürliche Zeichnen zu lernen, ist auch eine Ausbildung zum Trickfilmanimator nützlich.

Wie die meisten seiner Kollegen hat Breitschuh schon als Kind leidenschaftlich gezeichnet. Das Atelier hat er in seiner Wohnung im Hamburger Stadtteil St. Pauli, der Schreibtisch ist voller Skizzen, die Computerausstattung auf dem neuesten Stand, und die Regale sind voller Comics. Noch verdient er seinen Lebensunterhalt mit Werbeillustrationen, aber eines Tages will er von seinen Comics leben können. Breitschuhs Zeichnerherz ist nur durch eigene Geschichten richtig zufrieden zu stellen. In den neunziger Jahren zeichnete er für den Carlsen Verlag Comicalben zur Lindenstraße. Das war zwar ein Auftragsprojekt, aber es machte ihn in der Comicszene bekannt. Er empfiehlt Nachwuchszeichnern sein Motto: "Keinen Auftrag ablehnen und in jede Kamera grinsen."

Seit er mit einer Homepage Reklame für sich und seine Produkte macht, braucht er sich um Werbeaufträge nicht mehr zu kümmern. Auch zur Vermarktung seiner Comicserie Wanda Caramba, einer Agentenstory, will er die neuen Medien nutzen. Er hat einen Flashfilm zu der Serie gezeichnet und hofft, so übers Internet ein breites Publikum zu erreichen.

Um als freier Zeichner eigene Comicprojekte erfolgreich bei Verlagen unterzubringen, braucht man Initiative, muss sich selber vermarkten und Misserfolge wegstecken können. Fest angestellte Comiczeichner gibt es nicht. Breitschuh blickt mit stoischem Optimismus nach vorn. "Wichtig sind die Kontakte zu den Kollegen", sagt er, der fachliche Austausch sei lehrreich und motiviere. Konkurrenzverhalten untereinander gebe es kaum. "In der Szene werden die Krallen nicht ausgefahren", sagt er, "es gibt ja eh nicht viel zu holen."