Bislang größtenteils reibungslose Umstellung auf den Euro

Lange: Am Telefon ist nun Reinhold Rickes. Er ist der Euro-Koordinator beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband. Herr Rickes, wie kurz waren Ihre Nächte in den letzten zwei Tagen?

Rickes: Relativ kurz. Es ist natürlich verständlich, dass gerade Ihre Kollegen von der Presse uns in der Silvester- und Neujahrsnacht sehr oft angefragt haben, wie die Umstellungsprozesse verlaufen, aber wir konnten durchweg vermelden, dass die Umstellungsprozesse gut verlaufen sind. Es gab zwar hier und da bei dem einen oder anderen Geldausgabeautomaten ein Problem, wo die Eurobanknotenausgabe um 0:00 Uhr noch nicht voll einsatzfähig war, aber insgesamt kann man sagen, die Erfolgsmeldungen sind über den Neujahrstag verteilt Schritt für Schritt eingegangen. Wir sind auch heute für den Ansturm der Privatkunden gut gerüstet.

Lange: Haben Sie einen Überblick, wie viel von dem neuen Bargeld schon im Umlauf ist?

Rickes: Wir rechnen damit, dass über die Sparkassenfinanzgruppe mehrere hundert Millionen Euro am ersten Tag verteilt wurden. Bundesweit kann man sicherlich davon ausgehen, dass es vielleicht schon die Milliardengrenze überschritten hat. Ich gehe fest davon aus, dass wir heute diesen Wert allein in der Sparkassenfinanzgruppe überschreiten. Um Ihnen noch einen konkreten Wert zu geben, in Berlin sind gestern 25 Millionen Euro in Umlauf gekommen.

Lange: Wie viel Bargeld ist normalerweise im Umlauf?

Rickes: Wir haben bundesweit sehr viel Bargeldumlauf. Sie kennen die Zahlen der Deutschen Bundesbank, nach denen es Anfang letzten Jahres 260 Milliarden DM waren. Dieser Bargeldumlauf wurde Schritt für Schritt abgebaut, u.a. durch die Schlafmünzenaktion, und jetzt müssen die Restbestände, die Transaktionskasse, die sicherlich noch Werte umfasst, die über 100 Milliarden DM liegen, jetzt eben umgetauscht werden. Wir haben also einen Prozess vor uns, der uns insbesondere in den nächsten 14 Tagen sehr stark beschäftigen wird.

Lange: Was waren in den letzten 48 Stunden die Probleme oder Schwierigkeiten, die am häufigsten aufgetreten sind?

Bislang größtenteils reibungslose Umstellung auf den Euro

Rickes: Die Probleme und Schwierigkeiten, die am häufigsten aufgetreten sind, waren Fragen von Kunden bezüglich des Verfahrens beim Geldwechsel bei Banken und Sparkassen. Oftmals waren die Kunden überrascht, dass man eben bei höheren DM-Beträgen nicht direkt bar tauschen kann. Wir hatten das allerdings schon frühzeitig angekündigt. Wir waren nach dem 11. September aus Sicherheitsgründen gefordert, beim Ein- und Auszahlen sehr sorgfältig mit dem Bargeld umzugehen. Insofern fordern wir von den Kunden, gerade bei höheren DM-Beträgen, dass sie frühzeitig auf die Konten eingezahlt werden, und dass man sich am Geldausgabeautomat das Geld dann in Euro wieder holen kann. Da gab es einige Irritationen an den Schaltern, aber insgesamt verlief das auch ganz gut, so dass wir keine größeren Probleme in den Wartehallen bekamen. Weitere Probleme gab es hier und da, dass der eine oder andere Geldautomat zum Teil ins Stocken kam, weil die Euroscheine verklebten usw.

Lange: Das war ja eine der Sorgen, dass die neuen Scheine viel zu glatt sind.

Rickes: Das hat sich auch bewahrheitet. Wir hatten das vorher in Tests gesehen, wir mussten die Scheine eben aufblättern, um sie entsprechend ausgabefähig zu machen, aber das hat dann doch an dem einen oder anderen Geldausgabeautomat nicht so geklappt. Aber insgesamt - das ist die Meldung aus der Sparkassenfinanzgruppe - ist zumindest heute sichergestellt, dass an jeder Sparkassenfiliale mindestens ein Geldausgabeautomat Euro-Banknoten ausgeben wird.

Lange: Sie haben sich ja nach allen Seiten abgesichert. Ist denn irgendwas passiert, worauf Sie überhaupt nicht vorbereitet waren?

Rickes: Nein, unerwartete Ereignisse sind eigentlich nicht eingetreten. Wir hatten z.B. am Silvestertag sparkassenweit über 140 Millionen Konten umgestellt und auch hier verlief alles glatt. Auch wenn Sie gestern z.B. Ihr Home Banking angeworfen haben, konnten Sie feststellen, dass Sie nun alle Geldgeschäfte in Euro abwickeln können. Also insgesamt verlief alles weitestgehend reibungslos.

Lange: Wer jetzt noch DM-Bestände, was soll er tun? Ganz normal ausgeben oder besser auf Bankkonten einzahlen?

Rickes: Wir geben die Empfehlung, wenn man höhere DM-Bargeldbestände noch hat und diese nicht ausgeben möchte, dann sollte man sie besser auf die Konten einzahlen. Und kleinere DM-Bestände sollte man, wie gewohnt, im Handel bis zum 28. Februar ausgeben.

Bislang größtenteils reibungslose Umstellung auf den Euro

Lange: Von welcher Größenordnung reden Sie jetzt?

Rickes: Hier gibt es einen Wert, den viele Sparkassen festgelegt haben, der liegt bei 1.000 DM. Beträge über 1.000 DM sind höher anzusiedeln, und hier könnte man einzahlen. Wenn man aber noch 100 DM oder 200 DM in der Tasche hat, dann kann man diese noch im Einzelhandel ausgeben, und so fließt dann auch das DM-Bargeld eben zurück.

Lange: Die Experten des Bundeskriminalamtes haben davor gewarnt, dass diese auslaufende DM-Zeit auch eine Hochzeit für Fälschungen sein könnte. Muss man da jetzt mehr aufpassen, welche Scheine man in die Finger bekommt?

Rickes: Wachsamkeit ist auf jeden Fall angeraten. Man sollte aufpassen, dass man sich bei den DM-Banknoten nicht noch eine Blüte unterjubeln lässt. Was Fälschungen beim Euro anbelangt, da kann man eigentlich auf der sicheren Seite sein, weil sich die Eurobanknoten bislang weitestgehend nur bei Banken und Sparkassen befunden haben. Insofern sind Fälschungen in dieser kurzen Zeit nicht zu machen.

Lange: Wann rechnen Sie damit, dass Sie selbst entspannt aufatmen können und sagen können, die Sache ist gelaufen?

Rickes: Ich schätze, den größten Teil des Bargeldumtausches werden wir in den ersten 14 Tagen bewältigt haben, so dass wir dann ab dem 15. Januar ungefähr sagen können, der größte Teil ist abgewickelt.

Lange: Vielen Dank für das Gespräch, Herr Rickes.

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© Deutschlandfunk 2001