Ziemlich lange waren viele deutsche Zeitgenossen gegen den Euro, aufgeputscht von einigen oberflächlichen Politikern, Professoren und Journalisten. In diesen Tagen wendet sich die Stimmung. Die Leute stehen sogar Schlange für die Starter-Kits, obgleich sie doch noch zwei Monate lang mit D-Mark bezahlen können. Sie meinen aber, am 1. Januar beginne eine neue Ära. Aber dies ist ein Irrtum; denn schon seit Jahresbeginn 1999 hat es die D-Mark nur noch dem Anschein nach gegeben.

Tatsächlich haben schon seit drei Jahren nicht mehr die Bundesbank, die Banque de France oder die Banca d'Italia Geldmenge und Zentralbank-Zinsen gesteuert; sondern diese Aufgaben hat die Europäische Zentralbank in Frankfurt am Main für alle zwölf am Euro beteiligten europäischen Staaten und deren Volkswirtschaften gemeinsam erfüllt. Unter dieser Regie ist in Deutschland die Kaufkraft des nur äußerlich noch als D-Mark auftretenden Euro noch etwas stabiler gewesen als zuvor diejenige der D-Mark: In den bisherigen drei Euro-Jahren lagen hierzulande die Inflationsraten im Durchschnitt niedriger als in den vorangegangenen sechs letzten D-Mark-Jahren. Nebenbei gesagt: Auch der Euro-Wechselkurs zum Dollar war stabiler als zuvor der D-Mark-Wechselkurs. Wir haben also guten Grund für Vertrauen in die Zukunft der neuen europäischen Währung.

Einige kluge Amerikaner wussten schon lange, dass der Euro eine große Zukunft haben wird - deshalb nämlich waren sie gegen das neue Geld. Denn der Euro wird in wenigen Jahren neben dem Dollar die andere Weltwährung sein - und auch die andere weltweite Reservewährung. Wenn die Europäische Union und die hier beheimateten Finanzhäuser ihre künftigen Chancen nutzen, dann werden sie sich der überwältigenden Dominanz der amerikanischen Finanzhäuser erwehren können.

Der gemeinsame Markt von 300 Millionen Bürgern wird zu einer großen Volkswirtschaft zusammenwachsen. Deshalb wird es hohe Zeit, dass die Staats- und Regierungschefs endlich die Institutionen und Verfahren der Europäischen Union auf diese Zukunft vorbereiten - und zwar, bevor die etwas leichtfertig und allzu groß geplante Erweiterung der EU zustande kommt.