Einen Formelkompromiss dagegen gab es in der umstrittenen Frage, wer die Truppe führt: Das macht nun nicht das Pentagon, sondern ein Brite. Das Gegenteil wäre den Afghanen, die noch lang damit beschäftigt sein werden, nicht über amerikanische Streubomben zu stolpern, schwer zu vermitteln. Wenn's brenzlig wird oder die Truppe den Al-Qaida-Jägern in die Quere kommen sollte, übernimmt allerdings Amerika das Kommando. Auch nicht falsch; wer sonst soll es schaffen?

Die Soldaten der Bundeswehr werden also - anders als auf dem Balkan - in Afghanistan weder Kriegsverbrecher fangen noch den Verkehrspolizisten spielen, noch humanitäre Hilfskonvois begleiten, noch Dächer decken. Eine bescheidene, aber realistische Mission. Die Botschaft an die rebellischen Warlords ist jedenfalls klar: Den Frieden müsst Ihr selber wollen. Wir werden Euch nicht dazu zwingen.

Alles klar und entspannte Weihnachtsferien für Rudolf Scharping? Nicht ganz. Großbritannien will die Truppe nur drei Monate lang führen, wer danach übernimmt, blieb vor Weihnachten ungeklärt. Der deutsche Verteidigungsminister hat, eingedenk der Belastung seiner schon mit 7500 Mann auf dem Balkan vertretenen Truppe, abgewunken. Doch der Druck dürfte nicht vorbei sein. Rudolf Scharpings Weg ist weiter von Streubomben gepflastert.