Stellen Sie sich vor, die Regierungen der Welt beschlössen, dass der Dezember in diesem Jahr 36 Tage hat. Die Menschen brechen daraufhin in Jubel aus, sie glauben, sie erhielten fünf Tage mehr Lebenszeit. Wenn Sie jetzt denken, Unsinn, so dämlich ist doch niemand, dann irren Sie. Denn exakt so verhalten sich die meisten Menschen, wenn es um Geld geht.

Nächste Woche kommt der Euro, und dann wird gut 300 Millionen Europäern mit jeder neuen Münze eines der ältesten ökonomischen Rätsel vorgeführt: das Geldrätsel. Sie können sich dann ein paar Gedanken darüber machen, wie es kommt, dass 4100 Jahre nachdem die Assyrer die ersten Metallstücke prägten, immer noch unklar ist, weshalb der Mensch nicht rational mit Geld umgehen kann.

Ein Beispiel: Anne und Barbara arbeiten in einem Verlag. Anne erhält ein Jahresgehalt von 30 000 Euro, in ihrem zweiten Jahr bekommt sie eine Gehaltserhöhung von zwei Prozent (600 Euro). Auch Barbara hat ein Einstiegsgehalt von 30 000 Euro. In ihrem ersten Jahr steigen die Lebenshaltungskosten um vier Prozent, im zweiten erhält sie eine Gehaltserhöhung von fünf Prozent (1500 Euro). Wer ist zufriedener?

Diese Frage stellten - auf Amerika gemünzt - die Wirtschaftsforscher Peter Diamond, Eldar Shafir und Amos Tversky mehreren hundert zufällig ausgewählten Leuten auf Flughäfen und in Einkaufszentren. 64 Prozent antworteten, Barbara sei die Zufriedenere. Ökonomisch gesehen eine unsinnige Antwort. Die Preissteigerung lässt Barbaras 1500 Euro real auf 300 zusammenschmelzen, sie steht also schlechter da als Anne. Aber offenbar ist die Beziehung des Menschen zum Geld keine rein ökonomische.

Ökonomisch gesehen hat Geld vor allem mit Tauschen zu tun. Existiert kein Geld, tauscht der Bauer sein Getreide direkt gegen Werkzeuge, er muss dafür allerdings einen Schmied finden, der Weizen braucht. Existiert Geld, kann er sein Getreide an irgendjemanden verkaufen und besorgt sich dafür einen Pflug. Geld drückt aus, wie viele Pflüge jemand für sein Getreide bekommt oder wie viele Autos man sich für ein halbes Jahr harter Arbeit kaufen kann. Man muss nur ein wenig rechnen.

Rechnen fällt manchen Leuten schwer. Das könnte der Grund sein, weshalb sie Anne und Barbaras Gehaltserhöhung falsch einstufen. Doch als die Forscher wissen wollten, wer rein ökonomisch besser dastehe, rechneten die Befragten nach, und 71 Prozent antworteten korrekt: Anne.

Mehr Geld - und weniger Einkommen