Legros betreut seit einem Jahr mit zwei weiteren Ärzten eine Gesprächsgruppe für werdende Väter in Port-Royal, dem größten Entbindungszentrum von Paris. Kein weibliches Wesen soll bei den monatlichen Treffen den Fuß über die Schwelle setzen. Der Anstoß kam von Hebammen, denen die Orientierungslosigkeit von Männern im Schlepptau ihrer schwangeren Gattinnen aufgefallen war. Das Echo auf das Angebot ist noch größer als erwartet. Die Teilnehmer erscheinen regelmäßig und bleiben, bis die Gruppenleiter sie vor die Tür setzen. An anderen Kliniken ist es ähnlich. Als hätten die Männer nur darauf gewartet, dass man sie endlich zu Wort kommen lässt.

Man könnte meinen, mittlerweile würden Männer gerne Vater. Oder?

Trennungsgrund Kinderwunsch

Es gibt zwar schubkarrenweise Bücher über den »neuen Mann« und die »neuen Väter« - doch auf diese Frage geht keines ein.

Dabei ist sie politisch hoch brisant: Dass immer besser ausgebildete Frauen gar keine Kinder mehr kriegen oder den Zeitpunkt der ersten Schwangerschaft hinauszögern, gilt neben der allgemeinen Unsicherheit bezüglich Beruf und Arbeitsstelle als einzige Erklärung für die wachsende Überalterung westlicher Bevölkerungen. Doch sind es tatsächlich allein die Frauen, die mit Pille und legalisierter Abtreibung das Regiment in der Geburtenkontrolle übernehmen? Welchen Anteil haben die Männer? Auf diese Frage gibt es keine gesicherte Antwort. Ja, sie wird nicht einmal gestellt.

Frauen trennten sich oft von ihrem Partner, weil der kein Kind will - diese Beobachtung immerhin hat der Berliner Psychoanalytiker Horst Petri gemacht. Doch sie ist nur ein Indiz. Zahlen gibt es nicht. Forschungsprojekte? Auch nicht. Untersucht wurde beim Mann bisher nur der biologische Aspekt, die Sterilität - auch da schob man den Schwarzen Peter bis vor rund 20 Jahren so gut wie immer den Frauen zu.

Im 19. Jahrhundert, erklärt der Pariser Demograf Hervé Le Bras, hielten Statistiker das Alter von Männern bei der Geburt des ersten Kindes in ihren Zahlenreihen fest. Heute verfügen die statistischen Ämter nur über das Alter der Mütter und Väter - ohne Angabe, zum wievielten Mal sie Eltern werden. Warum haben Bevölkerungswissenschaftler, die doch auf dem Umweg über die Finanzierungsprobleme der Rentenkassen in den vergangenen Jahren zu neuen Ehren und Forschungsmitteln gekommen sind, an die Tradition nicht angeknüpft? Eigentlich gäbe es reichlich Forschungsfragen an potenzielle Väter.