Die Turmuhr von Sankt Johannis hatte fünf geschlagen in Herford im Osten Ostwestfalens, als der Tischler Uwe Heilemeier im Schatten der Kirche seinen Lieferwagen parkte und ins Geschäft des Goldschmieds trat. Ein Mädchen schrie: "Was wollen Sie mit dem Ding da?" Der Tischler sagte: "Holen, was mir gehört."

Dann startete er seine Kettensäge.

Ein Tisch fiel, ein Tresen, es kreischte, staubte, der Tischler fräste tiefe Schneisen - wer weiß, was noch geschehen wäre, hätte er beim nächsten Angriff nicht zu weit ausgeholt und sich die Säge in einer Gardine verfangen. Der Mann sollte sich später voll Freude daran erinnern, dass die Leute in Herford rannten "wie die Hasen". Eine Minute hatte er gebraucht. Der Ort sprach dann das ganze Jahr darüber.

Was hätte geschehen können an jenem Tag im Januar? Es hätte so sein können: Die Mütter holten ihre Kinder von der Straße, die Einkaufszone lag wie ausgestorben, Herfords Händler bildeten eine Bürgerwehr, und ganz Ostwestfalen schrie: Amokläufer! Irrer! Ein Polizeikonvoi raste durch die Wälder und über die Berge, hinauf nach Kalletal-Kalldorf, wo der Tischler bei seiner Mutter wohnte, trotz seiner 37 Jahre. Die Beamten führten ihn ab, in Handschellen. Dann bekam der wilde Kettensäger seinen Prozess und drei Monate Gefängnis. Der Tischler ist nun pleite und wird die Stadt, ja die Region, verlassen, in der der Goldschmied glänzende Geschäfte macht.

So hätte die Geschichte gehen können.

Sie geht aber so: Der Goldschmied ist nun pleite und wird die Stadt, ja die Region, verlassen, in der der Tischler glänzende Geschäfte macht. Das ist die Geschichte, doch streng genommen gibt es drei.

Wenn der Tischler die Geschichte erzählt vom Tag, an dem die Leute rannten wie die Hasen, berichtet er vom Robin Hood des Handwerks. Und hat erst mal eine Frage.