Dies war das Jahr Amerikas - und es war ein schwarzes Jahr. Dass es mit der Konjunktur in den USA bergab gehen würde, war von Anfang an erkennbar. Nach zehn Jahren ungebrochenen Wachstums war die US-Wirtschaft erschlafft. Aber eine Rezession? Ängstlich schauten die Europäer über den Atlantik. Die meisten Auguren versprachen eine sanfte Landung, am Ende des Sommers schien es tatsächlich wieder aufwärts zu gehen. Da erschütterten die Attentate vom 11. September den Erdball. Die amerikanische Wirtschaft geriet in den Strudel und riss die großen Volkswirtschaften rund um den Globus mit sich. Die Landung wurde schmerzlich hart, für die USA und für die ganze Weltwirtschaft.

Am Ende dieses Jahres stecken die großen Industrieländer gleichzeitig im Abschwung, erstmals wieder seit gut 25 Jahren. Die USA sind in eine veritable Rezession geschlittert. Japan kommt trotz verzweifelter Versuche gar nicht mehr aus dem Konjunkturloch heraus, in dem es seit gut zehn Jahren festsitzt. Europa leidet unter dramatischem Wachstumsschwund, nachdem es vergeblich gehofft hatte, sich von der amerikanischen Entwicklung abkoppeln zu können. Und der Schwächste unter den schwachen Europäern heißt ausgerechnet Deutschland.

"Kraftvolle Impulse" aus Kiel

Verheißt das Jahr 2002 den Deutschen bessere Zeiten? Vielleicht, antworteten die sechs führenden Forschungsinstitute des Landes in ihrem Herbstgutachten: "Unter der Voraussetzung, dass es nicht zu weiteren massiven Anschlägen, einer Ausweitung des Konflikts sowie einer Beeinträchtigung der Ölversorgung kommt, setzt sich ab dem ersten Halbjahr 2002 eine weltweite Erholung durch, die auch dem Welthandel wieder Schwung verleiht."

Ein Lichtblick also, mit einer Wachstumsrate von 1,3 Prozent belegt. Doch der Sachverständigenrat, der eigentlich von den gleichen Prämissen ausgehen müsste, kam drei Wochen später nur noch auf 0,7 Prozent. Genau wie der IWF Mitte Dezember. Das DIW Berlin und ifo in München verhießen in der vergangenen Woche nur noch 0,6 Prozent. Norbert Walter, der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, hält für 2002 sogar Nullwachstum in Deutschland für wahrscheinlich.

Aber da ist auch das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) mit seiner Prognose: ein Plus von 1,2 Prozent für 2002, garniert mit viel versprechenden Umschreibungen wie "Stimmungsumschwung bis zum Jahresende" und "durchgreifende konjunkturelle Erholung". Die vermeintlichen Belege: Die Zinssenkungen der EZB begännen zu greifen, die Läger würden wieder aufgefüllt, die Auslandsnachfrage erhalte "kraftvolle Impulse" aus den USA und von der Weltwirtschaft. Und Joachim Scheide, der Konjunkturchef des IfW, legte nach: "Oft genug wurde die konjunkturelle Dynamik am Beginn eines Aufschwungs unterschätzt."

Vor Jahresfrist waren die vorsichtigen Optimisten sogar in der Überzahl. "Die Konjunktur hat ihren Gipfel überschritten, aber die Wirtschaft stürzt nicht ab", titelte die ZEIT bei der Prognose für 2001. Gewiss, die Ölpreise waren deutlich angestiegen und lagen um 25 Dollar je Barrel, der Boom der New Economy in den USA drohte abzureißen, die Konsumenten sparten ihr Geld, statt es mit vollen Händen auszugeben. Wer wie so mancher Ökonom voreilig auf ein Ende des ewigen Auf und Ab der traditionellen Konjunkturzyklen gesetzt hatte, musste zur Kenntnis nehmen, dass der Abschwung schon einsetzte. Aber ein totaler Einbruch der Konjunktur, und das fast weltweit, stand in keinem nur halbwegs seriösen Szenario.