Am Donnerstag gehe ich morgens ins Redaktionsbüro und scanne die Presse, die Newsserver, die Jahresendausgaben von allen Zeitschriften. Eine Idee finde ich nur dann gut, wenn sie nicht schon woanders steht - von daher muss man Bescheid wissen. Mittags treffe ich die Designerin Susanne Deeken, eine alte Freundin, die auf Weihnachts-Berlin-Besuch ist. Sie lebt in London, arbeitet in Paris und New York. Es ist immer eine Freude, Menschen zu treffen, die Berlin von einem internationalen Standpunkt aus beurteilen können. Hat Berlin zu den großen Metropolen aufgeschlossen? Oder bilden wir uns das nur ständig ein? Eine ehrliche Meinung hilft in diesem Fall mehr als Höflichkeit. Abends zeige ich ihr vielleicht das Cookies, clubmäßig der place to be. Manche fragen, ob ich immer an meine nächsten Kolumnen oder Texte denke und ob das Ausgehen für mich dann Arbeit sei. Ich sehe das anders. Arbeitszeit ist für mich nicht unangenehmer als Freizeit. Wenn man am nächsten Tag über etwas, das man erlebt oder erfahren hat, schreiben kann, ist es doppelt schön. Andererseits laufe ich nicht wie Rainald Goetz mit einem Blöckchen rum und schreibe immer jedes Zitat und jede Idee auf. Auch laufe ich nicht am Abend mit Palmtops oder Communicators herum. So toll diese Geräte sind, so doof sieht es aus, wenn man damit in Restaurants oder Discos hantiert. Wenn überhaupt, gibt's für mich nur die bewährte Telefonnummer-auf-Bierdeckel-Schreibmethode.

Der Freitag ist Aufräumtag im Büro, die Jahresendbereinigung steht an. Wir verschicken Belegexemplare, der Systemadministrator überprüft die Rechner, wir haben einen Termin beim Steuerberater. Mein Bruder checkt die Quittungen. Am Nachmittag machen wir eine Jahresabschlussbesprechung mit den freien Mitarbeitern und gehen dann essen. Wir probieren gerne neue Restaurants aus. Diesmal das Crowns, englische Küche - why not?

Am Samstag sind wir sicher noch mit der Büroaufräumaktion beschäftigt. Ich überprüfe meine Kolumnenresterampe, den kleinen Ordner im Computer mit angefangenen Ideensammlungen, Themenstichwörtern und nicht vollendeten Texten. Zum Jahresende ist sie leer und muss aufgefüllt werden, damit man Ersatz da hat, falls einem mal zum Redaktionsschluss nichts einfällt. Abends gehe ich ins Theater des Westens. Musicals sind zwar nicht mein Ding, aber ich habe Freikarten für Falco meets Amadeus, und das ist doch schöner Trash zum Jahresende. Ob ich danach ausgehe, weiß ich nicht. Unter der Woche ausgehen, das finde ich viel inspirierender.

Sonntag morgens schaue ich immer fern. Ich liebe Weck Up mit Barbara Schöneberger, was zu einer vollkommen irren Uhrzeit, morgens um 7.50 Uhr, ausgestrahlt wird. Danach gehe ich ins Büro, um zu schreiben. Am 2. Januar ist Abgabetermin für die Kolumne Berlin Mitte Boy beim Stadtmagazin 030, die ich hoffentlich schon vor Silvester fertig schreibe und nicht erst mit Hängen und Würgen nach den Feierlichkeiten. Abends mache ich einen Ruhigen und sammle Energie für den Silvesterabend.

Montag ist der letzte Tag des Jahres. Ich löse den Gutschein für eine Shiatsu-Massage ein und lasse mich durchkneten. Dann telefoniere ich mit allen Freunden und wünsche alles Gute. Am Abend habe ich eine private Einladung, später ziehe ich durch die Bars von Mitte und grüße alte Bekannte. Am Ende ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass ich im WMF lande, nach wie vor einer der besten Clubs der Welt. Silvester gibt es selten Taxis, hoffentlich muss ich nicht bei minus 20 Grad nach Hause laufen, wie es mir vor ein paar Jahren passierte.

Dienstag ist absoluter Ruhetag.

Am Mittwoch beginnt wieder der Ernst des Lebens. Abgabe der Kolumne. Ich gehe gleich früh ins Büro und versuche, an die guten Vorsätze zu denken: Zum Beispiel an den: Immer die 01024 vorwählen für eine moderatere Telefonrechnung.