Irgendwie haben die Ereignisse der letzten vier Monate dafür gesorgt, dass allgemein eine viel größere Endzeitstimmung herrscht als im Millenniumsjahr. Gar keine schlechte Voraussetzung für einen rauschenden Tanz auf dem Vulkan. Nur was macht man, wenn einfach keine Einladung kommt? So außergewöhnlich 2001 auch war, die Neujahrsalternativen sind die gleichen Öden wie Silvester 1995/96:

a) Ein überteuertes 5-Gänge-Menü mit dem Liebsten. (Ziemlich sicher ein Flop, weil nur die Urlaubsvertretung vom Chef in der Küche wütet und gut situierte schweigende 70-Jährige um einen herum sitzen und die Stimmung verhunzen.)

b) Eine gigantische Silvesterparty mit Live-DJs in einem der angesagten Großraumclubs. Ebenfalls flopverdächtig, weil anonym und die 16-Jährigen um einen herum sichtbar mehr Spaß haben als man selber und man nicht mal weiß, woran.

c) Ein gemütliches Essen mit guten Freunden. Garantiert eine Niete, weil man die ganze Zeit das bohrende Gefühl nicht los wird, das die wirkliche Aktion sich heute woanders abspielt.

d) Sich nicht verrückt machen lassen und alleine mit einem Glas Rotwein und einem guten Buch ins Bett gehen. (Garantierter Flop, weil sich spätestens um 23 Uhr eine Totaldepression einstellt)

e) Selber eine Party geben. (Undankbar! Die Hälfte sagt im letzten Moment ab, weil sie doch noch eine spannendere Alternative gefunden hat, die Stimmung ist auch nicht besser als auf anderen Silvesterfeiern, nur dass man die Gläser selber spülen muss).

Könnte man diesmal nicht etwas radikal anderes probieren? Vielleicht eine kluge Diskussionsrunde zusammenstellen und bei Rotwein und Käse das Thema "Was hat der 11. September geändert?" erörtern. Oder einen Spontanflug nach New York buchen. Mein Veranstalter hat da ein supergünstiges Pauschalangebot inklusive Silvesterdinner und Ground-Zero-Besuch. Nein, nicht wirklich, oder? Also, was mich betrifft, werde ich ganz unangemessen genau dasselbe machen wie all die Jahre davor: Bleigießen mit ein paar guten Freunden.