Einen jungen Dackel, der in den Volksgarten-Weiher gesprungen war, soll dieser Fisch verschluckt haben, den kleinen Freund einer alten Spaziergängerin. Anfang Oktober soll es geschehen sein, und was danach folgte, das Riesenspektakel, wird heute als Irrsinn abgetan. Aber das ist natürlich ungerecht, weil ein Märchen niemals Irrsinn ist, sondern eine zauberhafte Geschichte.

Detlef Berschens, der Gärtner, merkte als einer der Ersten, dass etwas nicht stimmte. Es war der Tag, als der Bootsverleiher am Volksgarten-Weiher alle Boote an Land ziehen wollte, die Saison ging zu Ende, aber der Bootsverleiher rief: "Ich brauche noch ein Boot. Heute mittag kommt RTL." Wieso RTL, fragte der Gärtner, und der Bootsverleiher antwortete: "Die wollen auf den Teich, ein Wels hat einen Dackel gefressen." Der Gärtner schüttelte den Kopf, dachte: Ach, Quatsch und holte seine Geräte.

Er machte sich gerade im Park zu schaffen, als ein junges Paar sich näherte. "Gibt es hier große Fische?", fragte die Frau. Ja, ja, sagte der Gärtner, er habe mal einen Wels gesehen, einen Fisch von einem Meter wohl, er habe ihn anfangs für einen Müllsack gehalten und wollte schon die Stange holen, um den Abfall zu bergen, da habe der Sack sich bewegt. Ein Jahr, sagte der Gärtner, sei das wohl her, von einer Dackel-Geschichte wisse er nichts, alles Unfug wohl, und er lachte. "Zeigen Sie mal, wie groß der Fisch war", bat die Frau, und als der Gärtner die Arme ausbreitete, schoss ihr Begleiter ein Foto, und am nächsten Tag stand groß in der Zeitung: "Killer-Wels fraß Dackel-Welpen" und klein, unter dem Bild von dem Mann mit den ausgebreiteten Armen: "Gärtner Detlef Berschens hat den Fisch schon öfter gesehen."

Da war es in der Welt, und nichts war mehr aufzuhalten. Die Sender kamen zum Weiher, Sat.1, BBC, ZDF und ProSieben, mit Stativen, Kameraleuten und Richtmikrofonen, Bild fand, das Ungeheuer möge fortan Kuno heißen, und der Gärtner hörte die Presseleute sagen: "Wir glauben diese Geschichte ja auch nicht, aber wir ziehen das jetzt durch."

Vorsicht, wir machen uns lächerlich!

Das spanische Fernsehen kaufte Bilder, Australiens Zeitungen druckten Meldungen, und in dem rot verklinkerten Haus hinter den Tannen, dem Amtssitz des Gärtners, riefen amerikanische Journalisten an. Sie redeten viel, der Gärtner verstand nicht und antwortete nur: "Fish, yes." Im Presseamt der Stadt meldeten sich mehr als hundert Journalisten, doch der Pressesprecher wehrte ab, "dies ist keine kommunale Angelegenheit". Ein Redakteur fragte, ob der Pressesprecher einen Teckelklub wüsste, wo sich ein junger Hund ausleihen ließe für ein paar Aufnahmen am Weiher, und der Pressesprecher dachte: Vorsicht, wir sind seriös, jetzt müssen wir es bleiben, sonst machen wir uns lächerlich.