La Scala backstage

Wenn die Oper an sich eine Heimstatt hat, dann ist es die Mailänder Scala. Hier haben sie fast alle gewirkt, die Großen des 19. Jahrhunderts, und des 20. erst recht. Und jene Dimensionen, die sich dem ersten Blick verweigern: die Geschichte und das Reich hinter den Kulissen, die hat uns jetzt Cuini Amelio-Ortiz in seinem Scala-Film erschlossen. Zärtlich blätterte er in den Annalen, schlug das Rossini-Kapitel auf und das Donizetti-Thema an, zerstörte die Illusionen jener, die glaubten, Verdi sei mit der Scala glücklich gewesen (die Beziehung kriselte ständig). Und er zeigte uns, wie Toscanini dem moralisch und baulich darniederliegenden Haus nach dem Krieg seine Würde zurückgab. Der zweite Teil führte backstage: Es sind ja nicht nur die Komponisten, Sänger und Dirigenten, die eine Oper machen; die Färber, Perückenmeister, Schneiderinnen und Garderobieren gehören genauso dazu. Wie zur Traviata- Ouvertüre die Bühnenarbeiter gleichsam im Takt Kulissen und Möbel aufs Proszenium rollten, ganz so, als seien sie versucht mitzusingen - das war eine starke Sequenz. "Handwerker mit Tradition" sind es, die hinter der Scala hämmern, schneidern und Locken drehen; sie haben ihren Stolz, ihre Liebe zur Sache. Sie wissen genau, dass der Vorhang ohne sie nicht aufgeht (und auch nicht zu). Am Schluss erst zeigt der Film die schönste Nebensache der Oper: das Publikum. Es wandelte, herausgeputzt wie Violetta im ersten Akt der Traviata, durch die Foyers, verzückt und hingegeben. Oper ist Magie. Man kann sie nicht erklären. Jedoch einfangen - im Film.

"Die Mailänder Scala" läuft auf 3sat am 25. und 26. 12. um 12.15 Uhr