Bei meinem letzten Streifzug durch die Bronx habe ich die Figur bei Original Products Company entdeckt. In dem voll gestopften Laden für Devotionalien und Fetische herrscht babylonisches Sprachgewirr. Immigranten aus aller Welt quetschen sich durch die langen Gänge: Mexikanische Mamis, russische Juden und nigerianische Taxifahrer suchen und finden hier ihre Glücksbringer - Amulette, Schaumbäder, Zaubertränke und Kerzen.

Hinter dem Regal mit Davidsternen und Kruzifixen hatte sich das Voodoomännchen versteckt. Verloren baumelte es an einem Ständer neben Kaninchenfüßen und Schlangenhaut für fünf Dollar. Bestimmt hat es dort nur auf dich gewartet. Mit deinen männerlosen Jahren wird es jedenfalls bald vorbei sein. »Wenn du deine große Liebe finden willst«, steht in der Gebrauchsanleitung, »schreib den Namen deines heimlichen Schwarms auf ein herzförmiges Stück Papier und befestige es mit der Nadel am Fuß der Puppe. Vergiss nicht, dabei die Weihrauchkugeln zu verbrennen.«

An der Kasse hat mir Ladenbesitzer Jason Mizrahmi erzählt, dass der Voodooglaube ursprünglich von afrikanischen Sklaven in die Karibik gebracht wurde. Genau wie die Einwanderer aus dieser Region haben auch die Voodoopuppen längst eine Heimat in New York gefunden. Spätestens seit dem Anschlag auf das World Trade Center kaufen sie auch viele Alteingesessene. »Die New Yorker sind seit dem 11. September sehr kuschelbedürftig«, berichtet Mizrahmi. Und er verweist auf Zeitungsberichte über langjährige Singles, die in den letzten drei Monaten glücklich zueinander gefunden haben. Das kann kein Zufall sein. Zumindest Mizrahmi ist überzeugt, dass seine magischen Puppen ihre Finger mit im Spiel hatten.

Wenn du deinen Traummann eroberst, denke trotz aller Verliebtheit daran, dich von dem roten Filzmännlein zu trennen. Vergrabe es beim nächsten Vollmond an einem einsamen Ort. Sonst hilft der ganze Voodoozauber nichts. Und du wärst bald wieder allein.