Der Wetterbericht ist kurzsichtig. Für drei Tage gilt sein Orakel, für einige Tage danach gibt er noch eine Tendenz an. Trotz milliardenteurer Satelliten, millionenschwerer Rechner und Messstationen rund um den Globus verschwindet das Wetter jenseits von etwa acht Tagen im Nebel der Ungewissheit. Wer weiter in die Zukunft zu schauen behauptete, erntete bislang Proteststürme von der Meteorologenfront.

Doch die Front bröckelt. Vor allem kommerzielle US-Wetterdienste lehnen sich weiter aus dem Fenster und wagen Prognosen bis zu zwei Wochen im Voraus. Auch Europas Meteorologen wollen nachziehen. Den ersten Schritt in die Zukunft machte der US-Wetterkanal weather.com. Seit Ende 2000 bietet er Zehntagesprognosen für jede Stadt der USA an. Daraufhin entwickelte auch die Konkurrenz vom Privatwetterdienst AccuWeather hellseherische Fähigkeiten. Sie verkündet den Amerikanern im Detail, wie das heimische Wetter in zwei Wochen sein wird: "Stark bewölkt, Temperatur zwischen fünf und zwei Grad, gefühlte Temperatur bei minus drei."

Doch Experten zweifeln an den Künsten der privaten Wettersender. "Das halte ich für nicht seriös", sagt Mojib Latif vom Hamburger Max-Planck-Institut für Meteorologie. "Der praktische Nutzen ist gering. Schon bei zehn Tagen wird jede Modellrechnung sehr ungenau." Das Problem liege in den Ausgangsdaten. Kleine Ungenauigkeiten wachsen sich mit der Zeit zu großen Fehlern aus. Zur Erklärung lässt Latif den berühmten Schmetterling flattern, mit dem Ed Lorenz seinerzeit die Chaostheorie populär gemacht hat. Die These: Selbst der Flügelschlag eines Insekts am Amazonas kann in einem chaotischen System wie dem Wetter Auswirkungen bis zu uns haben.

Man muss dieses Gleichnis nicht wörtlich nehmen, aber wenn Latif seinen Computer mit einer Störung irgendwo auf der Welt füttert, ändert dieser tatsächlich seine Meinung über das Hamburger Wetter. Nicht auf Anhieb: In den ersten sechs, sieben Tagen laufen die beiden Kurven, die das Wetter mit oder ohne Störung anzeigen, brav nebeneinander her. Am achten Tag gibt es erste Ausbrüche. Und spätestens am neunten Tag kritzelt der Computer ein wildes Spaghettimuster aufs Papier - die Vorhersage wird zum Glücksspiel.

Dennoch wagen die Ersten auch in Deutschland den weiten Blick in die Zukunft. Unter www.donnerwetter.de finden sich Tendenzwerte für die nächsten 14 Tage. Der kleine Wetteranbieter bescheinigt seiner auf einem selbst gestrickten Modell beruhenden Prognose eine Wahrscheinlichkeit von 60 Prozent. "Wir versuchen den Jetstream vorherzusagen, ein Starkwindband in der höheren Atmosphäre", erläutert Karsten Brandt von Donnerwetter. "Das Programm würde auf jedem PC laufen."

Aber Stichproben können nicht recht überzeugen. Tatsächlich herrschten in Hamburg Mitte Dezember die kühlen Temperaturen, die Donnerwetter für München erwartet hatte. "Wir experimentieren noch", räumt Brandt ein. Aber der Weg gehe klar hin zur längerfristigen Prognose.

26 statt prophezeiter 14 °C