Weder romantisch verschneit noch weihnachtlich geben sich die Titelseiten. Einheitlich ist das Thema Nummer Eins der Konflikt zwischen Indien und Pakistan. Denn Indien hat die militärischen Vorbereitungen für den Fall eines Krieges mit Pakistan vorangetrieben, und der indische Verteidigungsminister George Fernandes teilt mit, Mittelstreckenraketen seien in Position gebracht worden. "Indien droht Pakistan mit Krieg", heißt es fast wortgleich in Blättern von "tageszeitung" bis "Tagesspiegel".

Neuigkeiten vom Schuh-Attentäter vermelden die "Welt" und der "Tagesspiegel" auf ihren ersten Seiten. Der Mann, der kurz vor Weihnachten mit "Sprengstoff-Schuhen" ein Attentat auf ein US-Flugzeug begehen wollte, ist nach Angaben aus Geheimdienstkreis in Terroristenlagern Afghanistans ausgebildet worden, berichtete die US-Fernsehgesellschaft NBC. Ebenfalls unter die Seitenfalz rutscht die Finanzkrise in Argentinien. Das Land hat die neue Währung "Argentino" eingeführt und will sich damit vom Dollar lösen. Die "Frankfurter Rundschau" berichtet von den etwa 600 Asylsuchenden, die in der Nacht zum zweiten Weihnachtstag vergeblich versuchten, durch den Eurotunnel von Calais nach Großbritannien zu gelangen: "Hunderte Flüchtlinge überrennen die Polizei am Eurotunnel". Das "Handelsblatt" bietet einen wenig erfreulichen Blick auf das kommende Jahr. Technologie-, Chemie- und Luftfahrtunternehmen kürzen ihre Etats für 2002: "Konzerne investieren weniger".

Springer schenkt seine ganze Aufmerksamkeit den Diven. Die "Bild" berichtet über das "bittere Vermächtnis" der "großen Knef" und enthüllt, dass die Schauspielerin von Managern um Millionen betrogen wurde. Die "Welt" druckt ein großes Porträt von Marlene Dietrich. Kaum einer wird es nicht mitbekommen haben: Heute begeht Deutschland feierlich den 100. Geburtstag der Schauspielerin und Sängerin.

Der Kaschmir-Schatten

Dreimal haben Indien und Pakistan bereits Krieg gegeneinander geführt. Seit dem Anschlag auf das indische Parlament am 13. Dezember sind Divisionen und Flugzeugstaffeln entlang der Grenze in Alarmbereitschaft versetzt, Truppen liefern sich Gefechte. Die gefährlichste Dimension der Auseinandersetzung alarmiert vor allem das Ausland: Hier streiten zwei Atommächte miteinander. Doch dass ein großer Krieg zwischen beiden Staaten bevorstehe, glaubt die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" nicht. Pakistan hätte von einem Krieg nichts zu gewinnen: "Eine Niederlage - der wahrscheinliche Ausgang - würde zusätzlich zur Entlegitimierung der Regierung beitragen." Indien hätte zwar gute Aussichten auf einen Sieg, so der Kommentar, aber was wäre damit gewonnen? "Wäre durch einen noch so glanzvollen militärischen Erfolg der Terrorismus in Kaschmir zu bezwingen? Das kann ernsthaft keiner von denen glauben, die in der Wahl ihrer Worte jetzt in Delhi mit dem Säbel rasseln." Viel wirksamer sei es, das pakistanische Verhalten durch politischen und wirtschaftlichen Druck zu verändern.

Die "Frankfurter Rundschau" rollt noch einmal die politische Tektonik auf, die sich nach dem 11.September auf dem indischen Subkontinent verschoben hat. Rolf Paasch beschreibt in seinem Kommentar ausführlich, wie Pakistan vom Fast-Schurkenstaat zum vorbildlichen Alliierten der USA im Anti-Terror-Krieg avanciert, sein Präsident Pervez Musharraf vom mit Sanktionen bestraften Militärherrscher zum mit Finanzhilfe belohnten Staatsmann mutiert ist. Aus der Sicht Delhis werde, so Paasch, jetzt ausgerechnet der langjährige Sponsor des Terrorismus in Islamabad für sein strategisches Wohlverhalten von den USA belohnt: "Weniger der jüngste Anschlag auf das indische Parlament als diese tiefe Frustration hat dazu geführt, dass die Regierung von Ministerpräsident Vajpayee nun mit martialischen Tönen um internationalen Druck auf Pakistan wirbt." Sich gegen militante Übernahme des kaschmirischen Befreiungskampfes durch pakistanische Extremisten zu wehren, sei verständlich. "Wenn Indien aber glaubt, durch sein Kriegsgeschrei für die internationale Galerie auch die legitimen Forderungen der Kaschmiris und Pakistans übertönen zu können, dann ist dies ein so anmaßendes wie gefährliches Kalkül."

Argentische Finanzkrise