Der Rest der Welt sitzt vorm noch weihnachtlich dekorierten Fernseher, denn es gibt "Neues vom Video-Laden", wie die "tageszeitung" schreibt. "Ein matter Bin Ladin meldet sich noch einmal zu Wort", informiert uns die "Frankfurter Allgemeine" über das gestern in voller Länge gezeigte Video des Al-Qaida-Chefs. Nun sind die Spekulationen über Befinden und Aufenthaltsort des Oberschurken mal wieder voll im Gange: "Bin Laden soll in Pakistan sein", spekuliert die "Welt" mit.

Das "Handelsblatt" schließlich wirft einen Blick nach vorne und macht sich Gedanken über die anstehende Steuerbefreiung für Unternehmensverkäufe: "Fusionsflut bleibt 2002 aus", lautet das ernüchternde Fazit. Wo wir uns doch schon so auf die kommende Welle von Mergers und Acquisitions gefreut hatten.

Säbelrasseln um Kaschmir

"Eine schlechte Nachricht in schlechten Tagen" hat die "Süddeutsche Zeitung" zu bieten: "Der Kaschmir-Konflikt, das hat die Geschichten gelehrt, ist auf absehbare Zeit nicht lösbar - politisch nicht, und militärisch sowieso nicht." Beide Seiten beanspruchen das Gebiet und haben dabei "irgendwie das im Laufe der Jahre verbogene Recht auf ihrer Seite" - die Inder berufen sich auf jenen Maharadscha, der sich nach dem Ende britischer Kolonialherrschaft trotz mehrheitlich islamischer Bevölkerung der indischen Union anschloss, die Pakistanis setzen auf einen UN-Vorschlag zur Volksabstimmung im umstrittenen Gebiet.

Das erneute Aufflammen des Konflikts setzt auch die Amerikaner unter Druck, wie Ewald Stein im "Handelsblatt" erläutert: Wenn die Pakistanis für die notwendigen Drohgebärden gegenüber Indien ihre Truppen von der afghanischen Grenze abziehen, haben flüchtende Taliban- und Al-Qaida-Kämpfer dort freien Durchgang. Doch der Spielraum der Vereinigten Staaten ist gering. Ihr eigener "Krieg gegen den Terror" liefert den Indern "ein Alibi, [die militanten pakistanischen Organisationen Jaish-e-Mohammed und Lashkar-e-Tayyaba] notfalls auch auf pakistanischem Territorium zu verfolgen und zu bekämpfen." Die Amerikaner stecken somit "in einer Definitions- und einer Argumentationsfalle, die sie selbst gelegt haben", konstatiert Stein.

Und die Europäer? Die schweigen, wie die "Frankfurter Rundschau" kritisch anmerkt. Welche Gründe sie dafür haben mögen? "Zum Beispiel jenen, dass sich die EU mit ihren Demarchen zu weit entfernten Konflikten irgendwann überheben könnte. Plausibel wäre es aber auch, wenn die Union nach ihren Solidaritätsadressen an Pakistan nun allein deshalb auf Tauchstation ginge, um Indien durch vorschnelle Erklärungen nicht weiter in die Ecke zu treiben."

Wie gut, dass wir Michael Stürmer von der "Welt" haben, um uns zu beruhigen. Der scheint über bessere Quellen zu verfügen als alle anderen und berichtet, was sämtlichen Schlagzeilen - auch der in seiner eigenen Zeitung - widerspricht: "Zwischen Neu- Delhi und Islamabad mäßigt sich der Ton." Zum Aufatmen sei es zwar noch zu früh, doch: "Die bessere Einsicht und dringender Rat von außen, namentlich Washington, Peking und Moskau, haben die Eskalation aufgehalten." Nun bestehe die Hoffnung, dass "jene Verfahrensweisen, die im Kalten Krieg - bei fortbestehendem Grundkonflikt - den Gegensatz moderierten, auch auf dem Subkontinent eingeführt werden: Rüstungskontrolle, Verifikation, vertrauens- und sicherheitsbildende Maßnahmen."