Auch in der betrieblichen Altersvorsorge werden vom kommenden Jahr an die Karten neu gemischt. Die eher lieblos und auf die Schnelle von Bundesarbeitsminister Walter Riester nachgeschobenen Regelungen haben das Zeug, der privaten Altersvorsorge den Rang abzulaufen. Dabei war die so genannte zweite Säule der Altersvorsorge in den ersten Entwürfen der Rentenreform zunächst unter den Tisch gefallen.

Das verwundert kaum: Ausgerechnet im Geburtsland der Sozialversicherung führt die betriebliche Altersvorsorge seit Jahren ein höchst stiefmütterliches Dasein. Nur 55 Prozent der westdeutschen Arbeitnehmer und 30 Prozent der ostdeutschen haben Anspruch auf eine Betriebsrente. Das hat die Allianz-Lebensversicherung errechnet.

Während zwei von drei Arbeitnehmern im Alter zwischen 50 und 60 mit Ruhegeld von ihrem Chef rechnen können, sind es bei den 18- bis 50-Jährigen nur 44,4 Prozent. Vor allem wegen unkalkulierbarer Verpflichtungen für den Arbeitgeber ist die zweite Säule der Altersvorsorge in den vergangenen Jahren ins Abseits geraten. Dabei ist die zusätzliche Rente über den Betrieb bei der Arbeitnehmerschaft durchaus beliebt. Wie eine aktuelle Emnid-Studie ergeben hat, ziehen fast 60 Prozent der Arbeitnehmer die Altersvorsorge über ihren Arbeitgeber einer vergleichbaren Gehaltserhöhung vor. Die Studie ergibt auch: 68,7 Prozent der Arbeitnehmer legen beim Stellenwechsel Wert auf eine betriebliche Altersversorgung.

Von Januar an hat nun jeder in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversicherte Arbeitnehmer einen Rechtsanspruch auf Gehaltsumwandlung. Bis zu 2160 Euro seines Bruttoeinkommens darf er pro Jahr steuersparend in Altersvorsorgebeiträge umwandeln - notfalls auch gegen den Willen seines Chefs. Wer privat in die Riester-Rente einspart, erreicht dieses Sparvolumen erst im Jahr 2008. Selbst Mitarbeiter kleiner Handwerksbetriebe können sich künftig neben ihrer privaten Altersvorsorge eine betriebliche sichern.

Vor allem Pensionsfonds dürften vom Aufschwung der Betriebsrente profitieren, so die Meinung der Fachleute. Immer mehr Konzerne - etwa Volkswagen, Siemens oder DaimlerChrysler - basteln an eigenen Produkten. Einer der Vorreiter ist die Salzgitter AG, die ihren Mitarbeitern eine zusätzliche kapitalgedeckte Werkrente ermöglichen wird. Investiert wird in Aktien und festverzinsliche Wertpapiere. Die Besonderheit: Der Stahlkocher garantiert der Belegschaft einen Mindestzins von 3,25 Prozent. Sollte die Anlage diesen Ertrag nicht hergeben, will Salzgitter drauflegen.

Auch die Gewerkschaften sind in Sachen Pensionsfonds stark engagiert. So hat der Allianz-Konzern vor wenigen Tagen den Zuschlag erhalten, für die Metallbranche ein Versorgungswerk aufzubauen. Die HypoVereinsbank hatte kurz zuvor die Ausschreibung um den Pensionsfonds der chemischen Industrie gewonnen. Wann die neuen Produkte angeboten werden, ist noch unklar. "Mit den ersten Genehmigungen rechnen wir im zweiten Quartal 2002", schätzt Marcus Mecklenburg vom Bundesverband Deutscher Investmentgesellschaften.

Auch für Pensionsfonds gilt: Die Beiträge des Arbeitnehmers werden schon im Jahr 2002 mit bis zu vier Prozent des Bruttoeinkommens (maximal bis zur Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Rentenversicherung, das sind 4500 Euro im Westen und 3750 Euro im Osten) von der Steuer freigestellt. Bis zum Jahr 2008 sind sie gleichzeitig sozialversicherungsfrei.