Die Hoffnung rostet langsam dahin. Trübes Boddenwasser dümpelt um den Steg, an dem so manche Holzbohle weggefault ist. Die Hoffnung, das ist ein alter pommerscher Yachtschoner, 1919 gebaut. Welche Symbolik, dass ein Schiff dieses Namens ausgerechnet hier vor Anker liegt, in einem so traurigen Zustand.

Im März war's, da klopfte die Hoffnung in Neuenkirchen auf Rügen an. Die Filmfirma Phoenix aus Berlin hatte den 470-Einwohner-Ort am Jasmunder Bodden als Kulisse für eine neue ZDF-Vorabendserie auserkoren. Hallo Robbie!, eine Seelöwin, soll den Vorabend-Schimpansen Unser Charly ablösen. In der Hauptrolle als Leiter einer Seehundaufzuchtstation: Karsten Speck, einst Entertainer im DDR-Fernsehen (Ein Kessel Buntes) und Held in so illustren Vorabendserien wie Drei Damen vom Grill. In der neuen Reihe geht es um Robben und Intrigen, wackere Tierfreunde und fiese Geschäftemacher und natürlich auch um Liebe und Eifersucht. Für einen guten Teil der Aufnahmen hatten die Fernsehleute ein altes Gutshaus auf der kleinen Halbinsel Liddow ausgesucht, die nur durch eine 80 Meter lange, baufällige Holzbrücke mit Neuenkirchen verbunden ist - jene Brücke, an der auch die Hoffnung rostet.

Die Dörfler waren glücklich. Bisher hatte der Aufschwung einen großen Bogen um Neuenkirchen gemacht. Nur wenige Rügen-Touristen verirrten sich in das abgelegene Dorf, wo es zwar schöne Boddenlandschaft gibt, seltene Vögel und viel Ruhe, aber keine mondänen Strandpromenaden wie in Binz oder Göhren.

Aber nun kam der Film und mit ihm Geld, Arbeit und Wohlstand. "Die haben gedacht, da kommt jetzt Hollywood", erinnert sich Katja Hartwig von der Phoenix an den Robbie-Hype. Der Dorfkrug-Wirt würde das Filmteam bekochen, und auch die örtlichen Handwerker bekämen sicher gut zu tun. "Wir brauchen Komparsen", sagten die Fernsehleute gleich und luden zum Casting ein. Aber vor allem hofften die Neuenkirchener auf den Serientourismus. In Kappeln an der Schlei, so hatte Gemeinderat Dietrich Raschke gehört, sind die Übernachtungszahlen sprunghaft angestiegen, seit dort die TV-Serie Der Landarzt gedreht wird.

Alle wollten Robbie. Fast alle.

Dann schlug die Kartätsche ein. Kurz und bündig bestimmte Dorfbürgermeisterin Ute Arndt kraft ihres Amtes: "Auf Liddow wird nicht gedreht."

Als Begründung musste zunächst die morsche Holzbrücke nach Liddow herhalten, die dem Gewicht der Lastwagen des Filmteams nicht standhalten würde. Doch im Dorf ahnte jeder, dass ein alter Zwist der eigentliche Grund für das Veto der Bürgermeisterin war. In dem fraglichen Gutshaus auf Liddow wohnt seit 25 Jahren Rolf Carlos Reeckmann, ein freischaffender Künstler. Ohne ihn wäre das Anwesen längst zur Ruine verfallen. Reeckmann genießt ein mietfreies Nutzungsrecht. Seit Jahren will er der Gemeinde das Gebäude abkaufen.