Und was denken wir nun darüber - vor allem angesichts der von allen Demoskopen ermittelten tiefen Skepsis gegenüber der europäischen Einheitswährung, angesichts der von allen angenommenen Abneigung der Deutschen gegen den Abschied von ihrer geliebten D-Mark. Da sitzen sie nun unter dem Weihnachtsbaum und klimpern schon mal mit den neuen Münzen…

Niemals, so wurde uns immer wieder erzählt, würde der € eine Volksabstimmung über seine Einführung überlebt haben - jetzt aber stimmte das Volk mit den Füßen ab und rannte am 17. Dezember zu den Banken und Sparkassen: Ausverkauft!, hieß es bald von den kleinen Beutelchen.

Was lehrt uns dieses? Politische Entscheidungen von einiger Bedeutung sind immer Entscheidungen unter den Bedingungen der Ungewissheit. Unter den Bedingungen der Ungewissheit findet freilich keine konstruktive und zugleich plebiszitäre Politik statt. Nur in einem repräsentativen parlamentarischen System finden sich (und längst auch dort nicht immer!) politische Gestalter, die es auf sich nehmen, eine Entscheidung aufgrund eines Wahlamtes stellvertretend zu treffen und sich zur Not hinter aus dem Amt jagen zu lassen. Neben all den guten Gründen, die dafür sprachen, Helmut Kohl aus seinem Kanzleramt hinauszuwählen, behält nun der eine Grund Bestand, aus dem es richtig gewesen war, ihn drin gehabt zu haben - die folgerichtige und stetige Arbeit für die europäische Einigung und die Einführung der europäischen Einheitswährung.

Und die skeptischen Deutschen? In wenigen Tagen werden sie mit dem € ( Sie wissen schon: Alt Gr + E = €) nicht nur klimpern und spielen, sondern kaufen und bezahlen - spielend. Und sich sagen: Hat ja gar nicht wehgetan...

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