DIE ZEIT: Sie haben Jassir Arafat kürzlich als "größtes Hindernis für den Frieden in Nahost" bezeichnet, ihm auch "Irrelevanz" bescheinigt. Wird ohne Arafat der Frieden florieren?

Ariel Scharon: Der Vorsitzende hat sich selbst zur Irrelevanz verdammt, weil er nicht die strategische Entscheidung getroffen hat, den Terrorismus zu bekämpfen. Er hat sich im Gegenteil für eine Strategie des Terrors entschieden, obwohl er in Camp David (im Sommer 2000) mehr von Barak bekommen hat als je von einem anderen israelischen Premier zuvor - oder je bekommen wird, auch nicht von mir. Aber er hat nicht nur eine Strategie, sondern auch eine Koalition des Terrors aufgezogen ...

ZEIT: ... wie das?

Scharon: In der Vergangenheit haben Dschihad, Hamas, PFLP, Hizbullah im Libanon den Terror betrieben. Jetzt aber haben wir es mit einem neuen Phänomen zu tun. In der Koalition finden sich auch Mitglieder der Präsidentengarde Force 17, die Tanzim (ein militärischer Arm der Fatah-Bewegung, d. Red.), die voll unter der Kontrolle Arafats stehen. Können Sie sich die Sicherheitskräfte des deutschen Kanzlers als Teil einer Terrortruppe vorstellen?

Im vergangenen Jahr gab es auf israelischer Seite 240 Tote und 2329 Verletzte - insgesamt 10 300 Akte des Terrors. Etwa 40 Prozent der Opfer wurden durch Kräfte verursacht, die dem direkten Befehl Arafats unterstehen.

ZEIT: Wenn aber in dieser Lesart Arafat im Zentrum des Terrors steht, wie soll er dann den Terror kontrollieren, wie Sie es von ihm fordern?

Scharon: Arafat handelt nur unter Druck - und wenn er international isoliert ist. Nicht nur ist er das größte Friedenshindernis. Er ist auch verantwortlich für die elenden Lebensbedingungen des palästinensischen Volkes. Ich habe zweimal mit Arafat gesprochen und ihm klar gesagt, dass ich unterscheiden will zwischen den gewöhnlichen Leuten und den Terroristen. Und wenn er nicht den Terror bekämpft, würden wir es tun.