Dieses Jahr hat mit Vollgas angefangen. Und dann war es, als hätte plötzlich jemand eine Vollbremsung gemacht. Ich hatte keinen Sommerurlaub, weil ich im Juli eine Zusatzausbildung für Langstrecken begonnen hatte. Zum 1. Oktober sollte ich Crew-Chefin für Fernflüge werden.

Am 11. September machten wir gerade eine Pause im Kurs und sahen im Fernsehen, wie die Flugzeuge ins World Trade Center einschlugen. Wir Flieger haben zu New York eine ganz besondere Beziehung. Der Anflug auf Manhattan, gerade wenn da die Sonne untergeht, berührt uns immer besonders. Oft haben wir uns im Cockpit versammelt, um uns die Skyline anzuschauen. Als ich dann die Fernsehbilder sah, wusste ich sofort, was sich an Bord der amerikanischen Maschinen abgespielt haben muss, wir sind ja für den Fall einer Entführung ausgebildet. Die Mogadischu-Entführung von 1977 zum Beispiel wird regelmäßig mit Psychologen und Ausbildern durchgespielt. Aber in diesem Moment war mir klar, dass wir alles, was wir gelernt haben, jetzt vergessen können.

In unserer Crew hat sich ein starkes Wir-Gefühl entwickelt: "Wir stehen das zusammen durch." Auch die Passagiere haben mit Ängsten zu kämpfen; jetzt merken sie, was sie an uns haben.

Am Sonntag nach den Anschlägen musste ich zwölf Stunden nach Singapur fliegen. Es war der letzte Einweisungsflug für die Langstrecke. Und dann hatte der Flug vor uns nach Singapur auch noch eine Bombenwarnung. Sehr schnell hat die Lufthansa dann ihr Langstreckenprogramm reduziert. Als ich von diesem Flug nach Hause kam, hatte ich die Nachricht im Briefkasten, dass es nichts wird mit der Beförderung.