Das Völkerstrafrecht ist zum Global Player geworden. In Europa, Afrika, Asien und Südamerika laufen Verfahren gegen ehemalige Diktatoren und Politiker, die Massaker angeordnet oder sich an ihnen beteiligt haben. Am 12. Februar beginnt in Den Haag der Prozess gegen Slobodan Milocevic. Das UN-Kriegsverbrechertribunal für das ehemalige Jugoslawien und das Völkermordtribunal in Arusha erobern fast täglich juristisches Neuland. Sie geben ihr Know-how an den künftigen Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) weiter.

Den hatte die Diplomatische Bevollmächtigtenkonferenz der Vereinten Nationen 1998 in Rom beschlossen. 120 Länder waren dafür; China, Irak, Israel, Jemen, Libyen, Katar und die USA stimmten dagegen. 48 Länder haben seither ihr Grundgesetz dem IStGH angepasst, darunter Deutschland und die übrigen EU-Mitglieder. Wenn 60 Staaten zusammen sind, beginnt das Weltgericht zu arbeiten - wahrscheinlich im Jahre 2003. Es wird seinen Sitz in Den Haag haben, zunächst in einem "Zwischenlager", später gegenüber dem Untersuchungsgefängnis, in dem gegenwärtig Milocevic einsitzt. Der Architekturwettbewerb wird jetzt ausgeschrieben.

Die Regierung Bush sieht in der internationalen Jurisdiktion ein unberechenbares Instrument, das die nationale Souveränität auszuhebeln droht. Mit dem Gesetz zum "Schutz der amerikanischen Streitkräfte 2001" haben der republikanische Senator Helms und seine Mitstreiter versucht, eine vollständige Quarantäne über den IStGH zu verhängen. Keine US-Botschaft soll mit ihm zusammenarbeiten dürfen. Kleineren beitrittswilligen Ländern wird die Streichung der Militärhilfe angedroht. Das Repräsentantenhaus verabschiedete die Vorlage im Mai 2001 in noch verschärfter Form. Der Senat billigte am 10. Dezember eine etwas mildere Fassung.

Doch jetzt ist ein Wunder geschehen. Der Vermittlungsausschuss des Repräsentantenhauses hat beide Versionen zurückgewiesen. Beim vorweihnachtlichen Kehraus der Gesetze ist der Helms-Entwurf überraschend hängen geblieben. Es gibt noch Abgeordnete in Amerika, die auf den Rest der Welt hören.