Ismail Kadare, der albanische Autor von "Der zerrissene April", beschreibt die Ausweglosigkeit aus dem Gesetz der Blutrache, dem Kanun. Es ist die Geschichte von Ehre, tödlichem Hass und ewiger Rache.

Nach dem Film stehen die jungen (noch) unbekannten Hauptdarsteller Rodrigo Santoro, Ravi Ramos Lacerda und Flavia Marco Antonio auf der Bühne. Standing Ovations für sie und Arthur Cohn. Danach ein Empfang im Foyer. Statements werden abgegeben, Kameras surren, Blitzlichtgewitter. Spürbar befangen und ängstlich steht das Publikum, allgegenwärtig die derzeitige kriegerische Situation in der Realität. Unruhig und dicht beisammenstehend, wie wenn man sich in der zugigen Halle gegenseitig wärmen möchte. Die Nachtkälte dringt ins Foyer. Rasch verlieren sich die Menschen in der Finsternis, wie auf der Flucht vor dem Ungewissen.

Im Hotel Drei Könige treffen sich noch die VIPs auf der geheizten Terrasse über dem schwarzen stillen Wasser des Rheins. Man spricht leise, wie verschworen. Gibt es einen siebten Oscar für Cohn? Gut möglich. Denn unter den Filmen, die die Academy jährlich begutachtet, ist auch "Behind the Sun". Hat er nicht "gerade die Filmrechte eines japanischen Autors gekauft?", höre ich einen Lokaljournalisten fragen. Er schüttelt dabei leicht den Kopf, während er auf das träge dahinfließende Wasser blickt, als könnte er nicht fassen, wie diese kleine Stadt eine der größten Persönlichkeiten Hollywoods hervorbringen konnte. Es wird spät auf der geheizten VIP-Terrasse des Drei Könige - dann geht's auch dort zur Unruhe.