Das passt George W. Bush wunderbar: Die Demokraten sind jetzt schuld an der Konjunkturflaute. Noch vor Weihnachten wollte der Präsident sein "Wirtschaftliches Stabilisierungsgesetz" durchsetzen, mit 68 Milliarden Dollar die Wirtschaft ankurbeln, doch die Demokraten ließen den Vorschlag im Senat auflaufen. Jetzt bekommen sie Prügel: "Es gibt Leute da draußen, die können nicht bis Januar auf Hilfe warten", verbreitete der republikanische Senator Kay Bailey Hutchison.

Ganz so komfortabel ist die Lage der Republikaner jedoch auch wieder nicht.

Der Gesetzesvorschlag aus dem Weißen Haus - nach wochenlangem Lobbyistenkampf im republikanisch dominierten Repräsentantenhaus verabschiedet, dann im Senat abgeschmettert, schließlich hastig revidiert und nochmal im Eilverfahren dem Senat vorgelegt - soll sogar einigen Republikanern zu radikal sein. Der größte Teil des Geldes würde nämlich in Form von Steuererlassen und Abschreibungsregeln einer Hand voll Großunternehmen zugute kommen. Der Ökonom Paul Krugman schätzt, dass 80 Prozent des Pakets den reichsten zwei Prozent der Steuerzahler nützen. Und: Die Veränderungen wären nicht einmalig, sondern dauerhaft.

"Nicht sehr stimulierend", findet das Tom Daschle, der Sprecher der demokratischen Mehrheit im Senat. Er hatte sich ein ganz anderes Paket gewünscht: mehr staatliche Investitionen statt Steuererleichterungen, weil Steuern zu wenig Einfluss auf unternehmerische Investitionen hätten. Mehr Hilfen für ärmere Leute, weil die das Extrageld gleich ausgeben. Mehr Arbeitslosenhilfe und Gesundheitsversorgung, um die anhaltenden Massenentlassungen abzufedern.

Jetzt passiert bis Januar erst mal gar nichts. Zum Glück macht das nicht viel: Nur wenige US-Ökonomen fanden es in der vergangenen Woche nötig, ihre Wachstumsprognosen herunterzukorrigieren. Die US-Wirtschaft, so der Konsens, stecke zwar seit dem Frühjahr in der Rezession. Doch seit zwei Monaten zeigten die Frühindikatoren wieder nach oben. Stimulus kommt sowieso: Die Notenbank hat die Zinsen elfmal gesenkt, die Ölpreise sind gefallen, New York wird für Milliarden wieder aufgebaut, und George W. Bush hat längst gewaltige Steuersenkungen beschlossen. Im Vergleich dazu könnte das Stimulierungspaket derzeit viel weniger ausrichten - oder sogar schaden. Bei allzu lockerer Fiskalpolitik will Alan Greenspan ja bekanntlich die Zinsen wieder erhöhen.