Der Schwabe war's, immer der, sagen die einen, die Frau sei aber auch ziemlich biestig gewesen, sagen die anderen.

Roland Maier, so viel steht fest, war es, der bei der Wettkampfleitung durchsetzte, dass nachts ab 23 Uhr Pfahlruhe herrschen musste und die beiden anderen ihre Musik nicht mehr hören durften. Und Maier war es auch, der eines Abends "private, ganz private Dinge" über Cordula Straub übers Telefon weitergab. Wütend wurde die daraufhin, sie ist es immer noch, und Maier schrie zurück, durch den stillen Park, wer ihr eigentlich das Recht gebe, seine Telefonate mitzuhören.

Maier war es auch, der die Sache mit den Haaren ins Spiel brachte. Mitte Juli muss es gewesen sein, draußen schaute die Welt nach Genua, zum Weltwirtschaftsgipfel, da saß Maier auf seinem Pfahl und sagte diesen einen Satz, genauer, er fragte: "Darf ich in der nächsten Pause mal dein holdes Haar berühren?" Und blickte dabei zu der Frau, die auf ihrem Pflock die blonden Strähnen kämmte. Er starrte hinüber und wartete auf eine Antwort.

Cordula Straub fühlte sich beleidigt, entehrt geradezu. "Unter der Gürtellinie ist das", dachte sie und rief ihren Freund an. Der heißt Eberhard und saß selbst mal auf einem Pfahl in Soltau, ein Jahr zuvor, da haben sie sich kennen gelernt. Eberhard wollte sofort kommen, dem Schwaben "eine reinhauen". Er ließ es, weil der Heidepark mit Parkverbot drohte. Maier, harmlos, sagt: "Ich wollte nur ein Kompliment machen." Was also stimmt?

Wilko Jäschke, Pfahl in der Mitte, sagt salomonisch: "So einen Satz, das kann man so oder so verstehen." Aber "so oder so", zu beschwichtigen gab es nichts mehr, der Psychokrieg begann. "Die Blöße wollte ich mir nicht mehr geben, dass ich vor dem absteige", sagt Cordula Straub. Maier konterte: "Ich sitze hier ewig, wenn's sein muss." Und dann redeten sie nicht mehr miteinander, fast vier Monate lang, kein Wort, zumindest kein nettes.

Hochsommer, 44 Grad, Hundstage, die Füße schwollen an, unten am Pfahl schleckten Kinder Eis. Aber das war egal, so wie es egal war, dass irgendwo in Italien der Ätna wieder ausbrach. Wichtig nur: Durchhalten! Gewinnen! Die Männer duschten seltener, denn jede Pause, die man nicht zum Abstieg nutzte, wurde gutgeschrieben - kostbare Minuten. Dann aber das verletzende Wort: "Stinkmumie." Hat Cordula Straub es gesagt? Keiner kann es mit Gewissheit behaupten, es heißt, sie habe der Wettkampfleitung verraten, dass der eine, auch der andere, bisweilen heimlich in einen Eimer pinkelte, um nicht in die Pause zu müssen. "Diskriminierung von Frauen" sei das, meinte sie, die Wettkampfleitung gab ihr Recht und erteilte Eimerverbot. Die Welt war rau geworden auf den Pfählen.

"Ich kann ihn locker aussitzen"