Woher alles kam und wie es geschah, kann niemand mehr ganz genau sagen.

Es war eine Lüge, wird behauptet, nein, wird behauptet, es war doch ein Scherz, aber nein, wird behauptet, es war, wie es war. Und weil es geheimnisvoll war, aufregend, berauschend, starren noch immer Menschen ins schwarze Wasser, zwei Männer im Dezemberregen, Schaulustige im Ufermatsch.

Die Männer schweigen, und die Ahornblätter rieseln. Die Männer warten, und die Enten schreien. Schreien sie um Hilfe? Nichts ist mehr undenkbar in Mönchengladbach. Die Männer halten Abstand zueinander, der Jüngere raucht. Ob Kuno sich zeigen wird, Kuno, den sie einen Killer nennen, ein gefräßiger Raubfisch, der Killerwels von Mönchengladbach?

Einen jungen Dackel, der in den Volksgarten-Weiher gesprungen war, soll dieser Fisch verschluckt haben, den kleinen Freund einer alten Spaziergängerin. Anfang Oktober soll es geschehen sein, und was danach folgte, das Riesenspektakel, wird heute als Irrsinn abgetan. Aber das ist natürlich ungerecht, weil ein Märchen niemals Irrsinn ist, sondern eine zauberhafte Geschichte.

Detlef Berschens, der Gärtner, merkte als einer der Ersten, dass etwas nicht stimmte. Es war der Tag, als der Bootsverleiher am Volksgarten-Weiher alle Boote an Land ziehen wollte, die Saison ging zu Ende, aber der Bootsverleiher rief: "Ich brauche noch ein Boot. Heute mittag kommt RTL." Wieso RTL, fragte der Gärtner, und der Bootsverleiher antwortete: "Die wollen auf den Teich, ein Wels hat einen Dackel gefressen." Der Gärtner schüttelte den Kopf, dachte: Ach, Quatsch und holte seine Geräte.

Er machte sich gerade im Park zu schaffen, als ein junges Paar sich näherte.

"Gibt es hier große Fische?", fragte die Frau. Ja, ja, sagte der Gärtner, er habe mal einen Wels gesehen, einen Fisch von einem Meter wohl, er habe ihn anfangs für einen Müllsack gehalten und wollte schon die Stange holen, um den Abfall zu bergen, da habe der Sack sich bewegt. Ein Jahr, sagte der Gärtner, sei das wohl her, von einer Dackel-Geschichte wisse er nichts, alles Unfug wohl, und er lachte. "Zeigen Sie mal, wie groß der Fisch war", bat die Frau, und als der Gärtner die Arme ausbreitete, schoss ihr Begleiter ein Foto, und am nächsten Tag stand groß in der Zeitung: "Killer-Wels fraß Dackel-Welpen" und klein, unter dem Bild von dem Mann mit den ausgebreiteten Armen: "Gärtner Detlef Berschens hat den Fisch schon öfter gesehen."