Es ist schon richtig, dass ein wenig üben muss, wer eine 747 oder einen Flugzeugträger bewegen will

sonst könnte schon beim Ablegen ein Tragflügel oder die Pier draufgehen. Aber bei einem Vierradgefährt aus der Serienproduktion? Der BMW 745i ist sicherlich das einzige Auto der Welt, das ohne Einweisung nicht vom Hof gefahren werden kann. Schlecht für den Gelegenheitsdieb, schlecht aber auch für den unbescholtenen Neuling, der eine Viertelstunde brauchte, um das Ding überhaupt anzulassen.

Den elektronischen Schlüssel einschieben? Kein Problem. Den Starterknopf links daneben wie in der Frühzeit des Automobilismus drücken? Auch einfach.

Trotzdem schweigt der Motor ungerührt, ja verstockt. Erst das wütende Aufstampfen mit dem Fuß, der zufällig irgendwann das Bremspedal trifft, setzt die acht Zylinder in Bewegung, wenn zugleich auch auf den Knopf eingestochen wird. Kein Starten, ohne zu bremsen. Erleichtert sucht dann der aufgeraute Novize nach dem Schalthebel der Automatik. Wo die Hand ihn vermutet (rechts unten zwischen den Sitzen), da ist er nicht. Die Zeit drängt, der Blick flackert. Versteckt hat sich der Schlawiner - ein kurzer Stummel - rechts oben an der Lenksäule, ein paar Finger breit über dem Hebel für die Wischwaschanlage. Jetzt noch die Handbremse lösen. Wo ist sie? Weg. Nie da gewesen. Ein paar Tage später erspäht der Reisende links am Armaturenbrett ein klitzekleines Knöpfchen, nicht größer als ein Pfennig, den ein P (für Parkbremse) ziert. Der Daumen aktiviert und löst die Bremse. Das kann der Wagen auch automatisch tun, damit der Zweitonner beim Stopp am Großglockner nicht rückwärts in den Abgrund rollt. Doch um Automatic Hold einzuschalten, muss der Mensch am Volant erst seinen natürlichen Feind kennen lernen, den Controller, einen handlichen Silberknopf, der an den Schraubdeckel eines Ölstutzens erinnert. Aber das ist eine andere adrenalingetränkte Geschichte, die wir noch ein wenig aufheben wollen.

Vorweg das Positive, das sich alsgleich einschmeichelt, wenn der Hof verlassen, die Autobahn erreicht worden ist. Riskieren wir einen Superlativ: Rein fahrpolitisch gesehen, könnte das neue BMW-Flaggschiff die beste Serienlimousine sein, die es derzeit zu kaufen gibt. Beginnen wir mit der Sechsgangautomatik, einem Novum auf dem Markt. Dieser Fahrer schwört, dass sie absolut ruckfrei, also scheinbar stufenlos von eins bis sechs und wieder zurückschaltet. Der Motor? Er dreht nicht, er schnurrt wie ein glückliches Kätzchen. Das lauteste Geräusch bei Fast-Volllast kam von den Stollen der Winterreifen, garniert von ein wenig Fahrtwind. Lastwechsel? Nicht zu spüren.

Beschleunigung? Von 0 auf 100 in sieben Sekunden, geradlinig und ruckelfrei.

Bodenwellen spürt der Fahrer lediglich auf Wunsch