Professor Satanda Sakupi wohnt irgendwo im Grenzgebiet zwischen Namibia und Botswana. Auf einem Werbezettel preist der Heiler Substanzen an, die zur Jahreswende auch geplagten Deutschen gut anstünden. Probat wäre die "Medizin, die Sie vor Lebensmittel- und Biervergiftung schützt", oder aber angesichts der bevorstehenden WM "Medizin, die den Fußballplatz schützt und den Fußball gewinnen lässt". Auf Sakupis Liste findet sich auch die passende Mixtur für Pisa-gedemütigte Schüler: eine "Medizin, die dich intelligent in der Schule werden lässt und dich durchs Examen bringt".

Sakupis Rezepte sind maßgeschneidert für hiesige Probleme. Sie liefern den Kick zum Gewinnen von Wahlen und zur Vergrößerung von Penissen. Sogar gegen den Verlust des Arbeitsplatzes kann man sich schützen. Wer aber nach dem Verschlingen der Weihnachtsgans umgehend die letzten Schokonikoläuse verdrückt, den Kindern den Naschteller leer frisst und schon nach dem Dreikönigskuchen lechzt: ausgerechnet bei dessen typischem Krankheitsbild muss Sakupi passen - ein Mittel gegen Völlerei hat er nicht auf Lager.

Aber Afrika ist groß. Sogar der Fresssüchtige wird fündig, in Südafrika. Dort wissen die Khoisan den Hunger zu zügeln. Gekaute Scheibchen des seltenen Kalahari-Kaktus Hoodia gordonii zügeln den Appetit und wirken auf langen Jagdstreifzügen als Hungerbremse. Das hat auch das britische Unternehmen Phytopharm spitzgekriegt. Es extrahiert aus dem Gewächs den Wirkstoff P57, der in ersten klinischen Studien bereits sein Potenzial als Weihnachtsgansblocker entfalten konnte. 19 Übergewichtige, tagelang eingesperrt mit leckeren Speisen, widerstanden allen Versuchungen und aßen ein Drittel weniger als sonst.

Vor drei Jahren hatte Phytopharm für 32 Millionen Dollar die Lizenzrechte für P57 an den Pharmakonzern Pfizer verkauft. Die Khoisan gingen leer aus und warfen den Konzernen im November Biopiraterie vor. Ach, ließ Phytopharm-Chef Richard Dixey wissen, er habe gedacht, dieser Hoodia-kauende Stamm sei längst ausgestorben. Nun sei er doch "sehr froh", dass demnächst ein Deal mit den 3000 Stammesleuten zustande komme.

Bevor Phytopharm auch Rechte an Intelligenzelixieren nach Deutschland verkauft oder dem FC St. Pauli ein fußballplatzschützendes Destillat andreht: erst prüfen, ob Professor Satanda Sakupi noch lebt.